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El Ceibo – Bio-Kakao aus Bolivien

El Ceibo

Schon seit 1977 produzieren die Kakao-Bauern in Alto Beni in den subtropischen Yungas von Bolivien ihre leckere Kost für El Ceibo, einen der größten Kakaoproduzenten des Landes. El Ceibo ist ein Zusammenschluss von mittlerweile 48 Kooperativen, denen wiederum rund 1.300 Familien angehören.

Im Juni 2016 waren unsere Kolleginnen Angela und Isolde mit dem freien Journalisten Oliver Scheel zu Besuch in Bolivien und wurden auch bei El Ceibo empfangen. Vor Ort konnten die drei einen guten Einblick in die Arbeit von El Ceibo bekommen. Sie besuchten Kakao-Bauern auf ihren Feldern und erfuhren aus erster Hand von den Schwierigkeiten, mit denen die Bauern seit ein paar Jahren zu kämpfen haben. So waren sie auch in Sapecho, wo El Ceibo eine Verarbeitungs- und eine Forschungsanlage unterhält.

Die Kakaobohnen werden von einem Becken ins nächste umgeschichtet, um gleichmäßig zu fermentieren..In der großen Verarbeitungsanlage für Kakao arbeitet Gustavo Aduviri seit drei Jahren als diplomierter Agrarökonom. Er überwacht den Fermentierungs- und Trocknungsprozess der biologisch angebauten und für den Fairen Handel zertifizierten Bohnen. Dabei durchlaufen die Bohnen mehrere Becken, bis sie schließlich ins Trockenbett kommen. „Zunächst kommen die Bohnen aus den aufgeschlagenen Früchten zwei Tage in dieses Becken zum Fermentieren. Da müssen wir sie regelmäßig umschichten und dann wandern sie in immer weitere Becken. Das Ganze dauert etwa acht Tage“, erklärt Gustavo. Am Ende kommen die Bohnen ins Trockenbett. „Weil die Niederschläge zunehmen, haben wir eine Trockenanlage mit mobilem Dach, das wir schließen können. Wir haben durch den zunehmenden Regen mittlerweile große Probleme bei der Trocknung“, sagt Gustavo und berichtet, dass es Überlegungen gebe, eine elektrische oder solare Trockenanlange zu installieren, weil auf die Sonne in den Yungas einfach kein Verlass mehr sei. Die meisten Bauern der 48 Kooperativen trocknen ihre Kakaobohnen auf der eigenen Finca. Wenn der Fermentationsgrad nicht bei allen Bohnen gleich ist und die Bauern mit dem Trocknen der Früchte nicht hinterherkommen, können Qualitätsunterschiede entstehen. „Deshalb planen wir große zentrale Fermentierungs- und Trocknungsanlagen, damit am Ende wirklich eine Bohne wie die andere ist“, sagt Gustavo. Die Qualität des Kakaos ist ansonsten nämlich einwandfrei. Die Bauern verzichten auf den Einsatz von Pestiziden und bauen ausschließlich Bio-Kakao an. Aber es gibt auch große Probleme, die der Klimawandel in die Yungas trug, wie zum Beispiel den Monilia-Pilz, eine Fruchtfäule, die 2014 große Teile der Ernte vernichtete.

Die Kakao-Bauern haben sich den Namen El Ceibo aber nicht umsonst gegeben. Denn dieser Korallenbaum, der nur im Amazonastiefland wächst, gilt als besonders widerstandsfähig. Genau wie die Bauern: Kämpfen und durchhalten, das können sie genauso wie der Namensgeber ihrer Kooperative. Auch dank der Unterstützung der Kunden in Deutschland, die den Kakao aus Bolivien kaufen und den Kakao-Bauern von El Ceibo damit die Existenz sichern.

 

Schwierigkeiten mit der Fruchtfäule

Die Monilia, die Fruchtfäule, breitet sich auf den Kakaofrüchten aus und zerstört damit große Teile der Ernte.Im Jahr 2014 ereilte die Bauern von El Ceibo im bolivianischen Tiefland eine Fruchtfäule, die Monilia. Weil es ungewöhnlich heftigen Regen gab, der zudem wochenlang anhielt, kam es zu schweren Überflutungen. Die hohe Luftfeuchtigkeit und der viele Regen boten dem Pilz Monilia ideale Wachstumsbedingungen. Er zerstört die kompletten Kakaofrüchte.

Zum Teil verloren die Produzenten bis zu 90 Prozent ihrer Ernte. El Ceibo erkannte, dass der Klimawandel Einzug gehalten hatte. Und deshalb versuchen die Kakao-Experten von PIAF (Programa para la Implementacion Agrorestales de El Ceibo), einer von El Ceibo betriebenen Art Aufzuchtstation und Forschungsfeld, den Bauern mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

 

 

Jesus Quispe ist Agrarökonom und arbeitet seit fünf Jahren für El Ceibo.Und der Kampf gegen den Pilz ist in vollem Gange: Im Jahr 2015 stieg die Ernte der Produzenten schon wieder an, denn die Kakao-Bauern befolgten die Ratschläge der Forscher und auch die Wetterbedingungen hatten sich zum Glück verbessert. Doch noch erweist sich die Monilia als hartnäckiger Gegner. Jesus Quispes Aufgabe ist es, mit seinem Team den Bauern möglichst resistente Kakaopflanzen zur Verfügung zu stellen. Quispe ist Agrarökonom, hat in La Paz studiert und arbeitet seit fünf Jahren für El Ceibo in Sapecho, einem kleinen Dorf im bolivianischen Tiefland. „Wir testen hier auf unserer Forschungsplantage, welche Kakaosorten sich möglichst tolerant zeigen, wir propfen die resistenten Pflanzen auf andere auf und züchten diese dann. Die Bauern können die gesunden und resistenten Triebe bald für nur 80 Dollarcent bei uns kaufen. Außerdem erhalten sie technische Unterstützung für den Anbau“, erzählt der 45-Jährige. Die Pflanzen tragen zwar frühestens in vier bis fünf Jahren zum ersten Mal Früchte, aber diese Investition in die Zukunft ist ein wichtiger Schritt für viele Kakao-Bauern.

Das Team um Jesus Quispe züchtet auf der Forschungsplantage von El Ceibo Kakaopflanzen, die resistent sind gegen den Monilia-Pilz.Bis zu 80.000 Pflanzen wachsen gleichzeitig in dieser Aufzuchtstation, in der sechs technische Experten arbeiten. Diese Experten besuchen regelmäßig die mehr als 1.200 Bauern, die die Hilfe gerne annehmen. „Wir konnten für 2015 schon ein wesentlich besseres Ergebnis erzielen als 2014. Doch wir wissen, der Klimawandel ist real und wir müssen weiter forschen und die Produzenten unterstützen“, sagt Quispe.

Durch Vergraben der befallenen Früchte und auch weil es im vergangenen Jahr nicht ganz so feucht war, konnte die Quote der befallenen Früchte innerhalb eines Jahres von 80 bis 90 Prozent auf nur noch 30 bis 40 Prozent gesenkt werden. Für die Bauern die Rettung. Denn einen weiteren nahezu kompletten Ernteausfall können sich die Menschen in den Yungas nicht leisten. Und deshalb sind die technischen Experten der Kooperative jeden Tag unterwegs, um die neuesten Erkenntnisse im Kampf gegen die Fruchtfäule in die Felder zu tragen. Quispe erklärt: „Wir versuchen, durch gezielte Zucht die bestgeschützten Pflanzen an die Bauern zu geben. Denn der Klimawandel wird nicht von heute auf morgen verschwinden.“

Sabino Mamami kämpft mit den neuen Kakaopflanzen von El Ceibo gegen den Monilia-Pilz.Auch der Kakao-Bauer Sabino Mamami war schlimm von dem Monilia-Pilz betroffen. Er suchte Hilfe bei El Ceibo und fand sie im Forschungszentrum von PIAF. Das Angebot, die besten Pflänzchen aus der Aufzuchtstation zu kaufen, nahm Sabino an und pflanzte so neue, resistente Kakao-Pflanzen. Außerdem beherzigt er den Rat der Experten, mehr Zeit darauf zu verwenden, betroffene Früchte abzuschneiden und in einem Loch zu vergraben. Damit werden dem Pilz Verbreitungsmöglichkeiten genommen. „Ich habe fast keine Monilia mehr auf meiner Finca“, erzählt Sabino. „Es ist natürlich sehr viel Arbeit, aber es hat sich gelohnt. 2014 habe ich noch sehr viele Früchte verloren, jetzt fast keine mehr.“

 

Der gefährliche Weg des Kakaos – über die Todesstraße

Bolivien ist neben Paraguay der einzige Binnenstaat in Südamerika. Bis der Kakao von den Feldern in den Yungas nach Deutschland gelangt, legt er einen weiten und abenteuerlichen Weg zurück. Denn die Yungas gehören zu einem der unzugänglichsten Gebiete Lateinamerikas. Nur eine Straße führt hinauf aus dem nur etwa 400 Meter hoch liegenden Dschungel in den Yungas bis nach La Paz, in den Regierungssitz des Andenlandes. Und das ist die berüchtigte „Carretera de la muerte“, die Straße des Todes.

Auf der Todesstraße: Der Kakao aus den Yungas wird für den Export im LKW über die gefährliche Straße bis zum chilenischen Hafen transportiert.Zwar wurde diese in den Berg geschlagene Trasse in den vergangenen Jahren sukzessive ausgebaut, doch immer noch sind weite Teile nicht asphaltiert und nur wenige Meter breit. Gerade so breit wie ein Lastwagen. Jeder Fehler des Fahrers kann tödlich sein, schließlich geht es direkt neben der Straße bis zu 300, 400 und mehr Meter hinab in unwegsame Schluchten. Kommt einem ein Fahrzeug entgegen, heißt es Rückwärtsgang rein und einen Platz suchen, an dem die beiden Wagen einander passieren können. Reine Nervensache. Wenn es regnet – und es regnet naturgemäß oft in diesem subtropischen Landstrich – dann wird die Matschpiste schnell zu einer Trasse aus Seife. Und dann geht erst einmal gar nichts mehr für LKW. Dann heißt es Motor abstellen und warten, bis die Piste wieder einigermaßen befahrbar ist.

Die Straße führt aus den Yungas hinauf auf 4.600 Meter und überwindet dabei mehr als 4.000 Höhenmeter. Wenn die Kakaobohnen in La Paz angekommen ist, ist die Reise natürlich noch lange nicht zu Ende. El Ceibo verarbeitet die Bohnen zu Kakaopulver und anderen Produkten. Auch die Abfüllung des Kakaos in unsere EL PUENTE-Verpackungen findet in La Paz statt. Bolivien hat keinen Meerzugang, also transportieren die Lastwagen die köstliche Fracht hinunter nach Arica an die chilenische Pazifikküste, von wo das Kakaopulver Richtung Panamakanal auf den Weg nach Europa geschickt wird.

 

Gustavo Aduviri überwacht bei El Ceibo in Sapecho den Fermentierungs- und Trocknungsprozess der Bio-Kakaobohnen.Die Kakaobohnen werden von einem Becken ins nächste umgeschichtet, um gleichmäßig zu fermentieren..Unsere Qualitätsmanagerin Isolde kann sich vor Ort von der hohen Qualität der Kakaobohnen überzeugen.Die Monilia, die Fruchtfäule, breitet sich auf den Kakaofrüchten aus und zerstört damit große Teile der Ernte.Jesus Quispe ist Agrarökonom und arbeitet seit fünf Jahren für El Ceibo.Das Team um Jesus Quispe züchtet auf der Forschungsplantage von El Ceibo Kakaopflanzen, die resistent sind gegen den Monilia-Pilz.Der Kakao-Bauer Bernabé Ramos (Bildmitte) erzählt Angela, dass er sich mit den Mandarinen und Bananen, die zwischen seinen Kakaobäumen stehen, etwas dazuverdient.Sabino Mamami kämpft mit den neuen Kakaopflanzen von El Ceibo gegen den Monilia-Pilz.Auf der Todesstraße: Der Kakao aus den Yungas wird für den Export im LKW über die gefährliche Straße bis zum chilenischen Hafen transportiert.El Ceibo setzt auf Weiterbildung. So profitieren die Kakao-Bauern von Informationsmaterialien und persönlichen Beratungen vor Ort.Die Schokoladen-Experten in El Alto zaubern aus dem Kakao von El Ceibo Köstlichkeiten für den lokalen Markt, die auch in dem gleichnamigen Geschäft verkauft werden.

 

Bericht nach/ Fotos von: Oliver Scheel, freier Journalist

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