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Produktinformation zu "Kunsthandwerk von Estación A - py1"
Produzenten von Estación A
Leder
Eine Gruppe von Kunsthandwerkern ist mit der Produktion von Lederartikeln beschäftigt. Hierbei handelt es sich um Rindsleder, das die Produzenten als bereits gesäubertes und geschnittenes Rohmaterial einkaufen. Aus Pappe werden Vorlagen gefertigt, die für den Zuschnitt des Leders verwendet werden. Einige Brieftaschen und Portemonnaies tragen Applikationen aus Metall oder Fell, deren Design die Produzenten frei Hand entwerfen und vernähen. Das Zusammennähen erfolgt meistens manuell, nur der Einsatz eines Reißverschlusses wird mit einer Maschine getätigt.
Hüte aus Karanda’y (Palmblatt)
Die Kunsthandwerkerinnen kaufen die Palmblätter und lassen sie gut trocknen. Anschließend schneiden sie sie in feine Fasern und flechten diese zusammen. Der Herstellungsprozess erfolgt manuell. Nur der Saum wird zum Schluss noch mit einer Maschine säuberlich vernäht. Über Nacht lagern die Produzentinnen die Hüte so, dass sie die Feuchtigkeit des Morgentaus aufnehmen. Schließlich spannen sie die feuchten Hüte in Pressmaschinen ein, die ihnen dann die gewünschte Form und Größe verleihen. 4 Familien profitieren derzeit von der Produktion und dem Verkauf der Hüte. Es ist ihnen gelungen, sich einen sicheren Lebensunterhalt und eine Perspektive für die Zukunft aufzubauen.
Bambus
Auf dem Grundstück von Luis Cogliolo in Areguá wächst das Bambus. Nach strengem Glauben schneiden es die Arbeiter ausschließlich bei abnehmendem Mond, eine Tradition der eingeborenen Bevölkerung zur Vorbeugung gegen den Befall von Parasiten.
Auf demselben Grundstück befindet sich die Werkstatt für die Weiterverarbeitung des Bambus. Hier fertigt eine Gruppe von Kunsthandwerkern Mobiles und andere Gebrauchsgegenstände. Die Bambusrohre werden geschnitten und gebeizt. Für Mobiles werden unterschiedlich lange Bambusstücke an Fäden aufgehangen und mit Kokossamen, Muscheln oder Bohnen zu variierenden Designs kombiniert.
Die Verwendung von Bambus in der Herstellung von Möbeln, Musikinstrumenten und anderen Gebrauchsgegenständen ist in Paraguay, im Gegensatz zu den meisten asiatischen Ländern, noch sehr neu. Während der Kolonialzeit jedoch wurde Bambus in Paraguay vermehrt für den Hausbau, genauer gesagt, für den Innenausbau von Dächern verwandt. Heutzutage wächst der Einsatz von Bambus in vielerlei Hinsicht, in der Architektur und bei der Möbelproduktion genau so wie im Kunsthandwerk.
Papageien
Die bunten Papageien werden vom Produzentenzusammenschluss Madera de Altos produziert. Das Projekt arbeitet mit kleinen Kunsthandwerkern zusammen, die ihre Werkstätten zu Hause haben. Sie verwenden sogenanntes Timbo-Holz, eine Palmenart. Das Holz wird vor der Verarbeitung etwa einen Monat lang gelagert. Nach dem Schnitzen der Figuren kommt als nächster Arbeitsschritt das Bemalen. Anschließend fügt einer der Kunsthandwerker die Papageien mit Bambusstöcken zu Mobiles zusammen. Die Produzentin Susana Martínez ist für die Herstellung der Papageien verantwortlich. Sie ist sehr stolz darauf, dass ihre Produkte nun auch im Ausland verkauft werden und setzt große Hoffnungen in den Fairen Handel.
Holztiere
Im Chaco produziert eine Gruppe Kunsthandwerker im Dorf Puerto Diana in Alto Paraguay Holztiere. Die Produzenten gehören der indigenen Gruppe der Ishir, auch Chamacoco genannt, an. Sie fertigen verschiedene Figuren aus unterschiedlichen Hölzern wie beispielsweise Timbo, eine Palmenart, Kurupikai und Palo Santo. Palo Santo ist seit jeher ein der indigenen Bevölkerung in ganz Südamerika bekannter Baum, dessen Holz vor allem auch für rituelle Zwecke häufig verwendet wird.
Indiofiguren aus Holz
Ebenfalls im Chaco stellen zwei Kunsthandwerker Indiofiguren aus Palo Santo – Holz her. Andrés Medina und Ramón Cortéz leben in der Dorfgemeinschaft Pedro P. Peña. Beide Produzenten haben eine große Familie mit vielen Kindern, die sie mit dem Verkauf ihres Kunsthandwerks unterhalten können.
Filigraner Silberschmuck
Zentrum der Produktion des filigranen Schmucks (La Filigrana) ist die Stadt Luque, nur 15 km von der Landeshauptstadt Asunción entfernt. So hat auch die Asociación de Artesanos Aregueños gleich im angrenzenden Ort Areguá ihren Sitz.
Die Kunsthandwerker arbeiten gemeinsam in einer kleinen Werkstatt. Als Gruppe sind sie Eigentümer ihrer Werkzeuge. Sie produzieren nicht nur Schmuck, sondern auch Keramik und arbeiten unter anderem mit dem Centro Artesanal de la Cuenca zusammen, wo sie das System des Fairen Handels kennen lernten. Heute erhalten alle Mitarbeiter Weiterbildungskurse in ihren Bereichen, wie beispielsweise Verwaltung, Design, Qualität oder Handel. Die Vermarktung und den Export übernimmt die Organisation Estación A.
Die Produzenten erwerben Silber in Stücken, die sie einschmelzen. Aus dem flüssigen Silber formen sie feine Drähte, die entweder glatt oder auch in sich gedreht sein können. Die Kunsthandwerker fertigen nun verschiedene Motive und Formen, drehen die feinen Drähte ein und setzen sie so exakt passend in die vorgefertigten Formen ein. Anschließend wird ein wenig Silberstaub aufgetragen und die Verschlussstelle verschweißt. So stellen die Kunsthandwerker aus Areguá Ohrringe, Ringe, Anhänger und Broschen und viele weitere edle Schmuckstücke her.
Die Technik des filigranen Schmucks, sei es nun in Silber oder auch in Gold, war bereits 800 Jahre v. Chr. den Etruskern und den Ägyptern bekannt. Mit den Griechen und Phöniziern gelangte sie nach Spanien und Portugal und wurde im Kolonialzeitalter von dort aus mit den Goldschmieden nach Südamerika gebracht. Hier erlernte die eingeborene Bevölkerung die traditionellen Techniken der Herstellung, die bis heute beibehalten wurden. Zusätzlich haben die Kunsthandwerker neue Designs entwickelt, inspiriert von der sie umgebenden, reichhaltigen Flora und Fauna Paraguays.
Dieser sehr fein gearbeitete Silberschmuck besticht vor allem durch seine schlichte Eleganz.
Indigener Schmuck
Den indigenen Schmuck aus Paraguay fertigt die Asociación Vatcumjat Lhavouei, ein Zusammenschluss von Kunsthandwerkern der ethnischen Gruppe der Nivaclé. Die Asociación Vatcumjat Lhavouei besteht zum größten Teil aus Frauen. Sie haben ihren Sitz in Puerto Botánico bei Asunción.
Wichtiger Bestandteil des Schmucks ist der sogenannte Karaguatá-Faden. Dieser wird im Chaco aus der gleichnamigen Pflanze gewonnen. Eine weitere Gruppe von Nivaclé-Frauen sammelt dort die Gräser und stellt daraus Karaguatá-Faden her. In Puerto Botánico wird der Faden imprägniert und anschließend mit Pflanzenfasern, Samen und Hölzern zu Schmuckstücken verarbeitet. Der Schmuck ist mit seinen einzelnen Elementen nach traditionellen Techniken gefertigt und repräsentiert so die Kultur der Nivaclé.


