Projektpartner | Bangladesch
Landesinformationen:
Geschichte und Politik
Wirtschaft und Soziales
Partnerprojekte:
bd0 - The Jute Works
bd1 - Prokritee
bd3 - YWCA
bd4 - Aarong
bd5 - USHA
bd5-dhaka - Dhaka Handicrafts
Geschichte und Politik
Das einst reiche Bengalen mit hochentwickelter Manufaktur und ertragreicher Landwirtschaft verarmte durch die jahrhundertlange Ausbeutung der Kolonialmächte. Die Briten zerstörten die Textilfabrikation und entzogen der Nahrungsmittelproduktion wertvolles Land durch Anlage von Jute-, Tee-, Tabak- u. a. Plantagen.
1947 verliessen die Briten Indien und somit auch Bengalen. Nach dem Prinzip "teile und herrsche" hatten sie den Konflikt zwischen Hinduisten und Muslims derart geschürt, dass im Norden Indiens das muslimische Pakistan entstand, welches die heutigen Gebiete von Pakistan und Bangladesch umfasste. Unter pakistanischer Herrschaft wurde Bangladesch (Ostpakistan) zum agrarischen Hinterland degradiert. Schlüsselindustrien wurden ausgelagert, Investitionen nur in Westpakistan getätigt; auch Entwicklungshilfegelder flossen nur zu 36% nach Ostpakistan.
Unter diesen extremen Bedingungen wuchs die Unabhängigkeitsbewegung geführt von Sheik Mujibur Rahman. Ende der 60er Jahre kam es zu einem blutigen Bürgerkrieg, der mit der Unabhängigkeitserklärung des weitgehend zerstörten Bangladeschs endete.
So ist Bangladesch quasi ein künstlich geschaffener Staat, der am 17.04.1971 als Volksrepublik Bangladesch proklamiert wurde. Ihre Hauptstadt ist Dhaka. Im selben Jahr wurden mehr als 9,5 Millionen Flüchtlinge aus Ostpakistan/Bangladesch nach Indien gezählt.
Ein besonderes Problem ist die extreme Gefährdung Bangladeschs durch Sturmfluten und Überschwemmungen. Diese ergibt sich vor allem aus der Landesstruktur: Das bengalische Delta bildet rund 80% der Landesfläche und dehnt sich über ca. 650 Kilometer von der Westgrenze nach Indien bis zum Industriezentrum Chittagong im Osten. Jeder Anstieg des Meeresspiegels stellt für das nur ein bis zwei Meter höher gelegene Deltagebiet eine erhebliche Gefahr dar. Schwellen während der Regenzeit die Flüsse an, steigt auch der Flutpegel, Küstenerosion verhindert den natürlichen Schutz vor den Wassermassen. Zugleich verstärkt die Abholzung der Himalaya-Wälder die Bodenerosion. Die Wasser der Schneeschmelze werden nicht mehr aufgefangen und überschwemmen die Flüsse, Tonnen von Erde mit sich reißend.
Für Bangladesch sind diese Erscheinungen Segen und Fluch zugleich. Die fruchtbare Schwemmerde kommt der Landwirtschaft zugute und ermöglicht gebietsweise bis zu drei Ernten im Jahr. In überfluteten Regionen siedelt sich Binnenfischerei an, Algen unterstützen das Wachstum auf den Reisfeldern. Die durch Ablagerung entstehenden Inseln im bengalischen Golf bieten der landlosen Bevölkerung agrarische Nutzfläche. Auf der anderen Seite aber kosten die Flutkatastrophen regelmäßig hunderttausende Menschenleben, werden Häuser und Felder, Verkehrswege und Industrieanlagen zerstört.
Trockenlegungsprojekte und die Kanalisation bzw. Eindeichung einiger größerer Flüsse, wie sie der im Auftrag der Weltbank entwickelte Flood Action Plan vorsieht, sollen die Flutschäden in Grenzen halten. Diese Großprojekte verschlingen jedoch Unsummen an Geld und ziehen große Umsiedlungsmaßnahmen nach sich, so dass die Lebensgrundlage Tausender von Bengalen gefährdet ist.
Sheik Mujibs Awami-League (AL) versuchte, mit Verstaatlichungsaktionen den Wiederaufbau der Industrie zu fördern und die Infrastruktur wiederherzustellen. Die praktische Politik war auf den Neuaufbau eines hierarchisch gegliederten Staates ausgerichtet, Führungspersönlichkeiten der AL erhielten Managerposten in verstaatlichten Betrieben und Verwaltung. Eine Missernte verschärfte die durch den Krieg hervorgerufene Armut und wirtschaftliche Notlage des Landes. Die bisher größte Hungerkatastrophe kostete 300.000 Menschenleben. Sie schwächte außerdem die Position der AL. Ein sozialistischer Flügel (JSD) spaltete sich ab. Das Misstrauen gegenüber der AL wuchs, es kam zu Unruhen. Unter dem 1975 verhängten Ausnahmezustand wurde die politische Opposition durch Massenverhaftungen, Folter und Mord ausgeschaltet.
Zu Beginn einer Reihe von Putschen wurde Sheik Mujib am 14.08.1975 ermordet. General Zia übernahm die Spitze einer auf das Militär gestützten Regierung. Durch Gründung der Bangladesh National Party (BNP) und das Abhalten von Wahlen 1979 versuchte er seinen Führungsanspruch zu legitimieren. 1981 wurde Zia von einem Armeewidersacher ermordet. 1983 übernahm Präsident Ershad als oberster Kriegsrechtsverwalter die Macht. Er setzte die pro-islamische und pro-amerikanische Politik Zias fort. Er unterdrückte die Demokratiebewegungen der Bevölkerung.
Doch das blutige Vorgehen der Regierung gegen die opponierende Studentenunion im Oktober 1990 führte zu einem Volksaufstand, den auch die Ausrufung des Notstands nicht mehr verhindern konnte. Als auch die Armee dem Präsidenten jegliche Unterstützung versagte, musste Ershad am 6.Dezember zurücktreten. Ein Übergangspräsident ebnete den Weg für freie Wahlen, aus denen die BNP unter der Führung von Khaleda Zia als Gewinnerin hervorging. Ershad und einige seiner Gefolgsleute wurden verhaftet und wegen Machtmissbrauchs und Korruption vor Gericht gestellt.
Seither wird das Land immer wieder von Unruhen überschattet. Nach der Wahl am 01.10.2001 begann die fünfjährige Legislaturperiode von Khalida Zia. Nach Ablauf der Legislaturperiode und im Vorfeld der ursprünglich für Januar 2007 anberaumten Parlamentswahlen übernahm am 28.10.06 verfassungsgemäß eine mit administrativen Aufgaben betraute Übergangsregierung (Caretaker Government) die Geschäfte von Premierministerin Khalida Zia, die bis dato der von ihrer Partei Bangladesh National Party (BNP) geführten Regierungskoalition vorstand. Am 12.01.2007, nach Erklärung des Ausnahmezustandes durch den Präsidenten, übernahm eine neue Übergangsregierung die Regierungsgeschäfte.
Wirtschaft und Soziales
Bangladesch gehört zu den ärmsten Ländern der Erde und ist seit Jahrzehnten auf Entwicklungshilfe (5,8% ihrer Wirtschaftsleistung), sowie Auslandskredite angewiesen. Es ist stark verschuldet (die öffentliche Auslandschuld wurde 1997 von der Weltbank mit 18 Milliarden Dollar veranschlagt).
Grundlage der Volkswirtschaft ist der Agrarsektor. 64% der Erwerbstätigen sind in diesem Sektor tätig. Die ländliche Wirtschaftsstruktur ist geprägt durch eine steigende Landkonzentration in den Händen Weniger. So besitzen 10% der Haushalte mehr als die Hälfte des nutzbaren Landes.
Landlosigkeit ist ein Problem, das an Bedeutung gewinnt. 9% der Bevölkerung sind Landlose. Oftmals müssen sie sich für mindestens fünf Jahre harten Pachtverträgen verpflichten, die beinhalten, dass eigentlich nur 1/3 ihrer Ernte ihnen zugute kommt, da die anderen 2/3 auf den Landbesitzer und den Saatgut-/Gerätesteller (= meistens der Landbesitzer) fallen. Oder aber sie sind auf Saisonarbeit des unterentwickelten Arbeitsmarktes angewiesen. 4/5, und somit die große Mehrheit der Bevölkerung, leben unterhalb der Armutsgrenze in extremer und absoluter Armut.
Durch den Export landwirtschaftlicher und industrieller Produkte gelangen Devisen ins Land. Exportiert werden hauptsächlich Rohprodukte, besonders Jute. Im Bereich der Textilverarbeitung gilt Bangladesch zur Zeit als Billigstproduktionsland. Vorwiegend sind es Frauen, die unter schlechten Arbeitsbedingungen und für einen Hungerlohn in den Nähsälen für C&A und andere europäische Firmen arbeiten.
Viele Fachkräfte werden vom bengalischen Arbeitsmarkt in den Nahen Osten abgeworben. Sie bringen zwar Devisen ins Land, schwächen jedoch den Ausbau des Arbeitsmarktes.
Bangladesch gehört auch zu den dichtest besiedeten Ländern der Erde.
Die in den letzten Jahren verzeichneten beachtlichen realen BIP-Wachstumsraten von jeweils 6% führten nicht zu grundlegenden Veränderungen im Lande. Zwar konnten durch Programme zur Geburtenkontrolle die rasante Bevölkerungszunahme längerfristig auf c. a. 2% pro Jahr gebremst werden, aber Massenarmut, Unterernährung und Unterbeschäftigung bleiben Alltag in Bangladesch.
Seit 1988 ist in Bangladesch der Islam Staatsreligion. 87% der Bevölkerung sind Muslime, 12% Hindus und nur 0,3% Christen
76% der Männer und Frauen sind Analphabeten, eine allgemeine Schulpflicht besteht nicht, kann auch aufgrund des Lehrermangels nicht gewährleistet werden.
Der allgemeine Gesundheitszustand und die ärztliche Versorgung sind unzureichend, das soziale Netz fehlt.


