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Geschichte und Politik
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Geschichte und Politik
China zählt mit seiner über 5000-jährigen Geschichte zur einer der ältesten Zivilisationen der Welt. In der heutigen Provinz Shanxi siedelten sich gut organisierte, landwirtschaftliche Gemeinschaften an, welche allmählich zur enormen Größe des Landes anwuchsen. Im 21. Jahrhundert v. Chr. erlebte China mit der Gründung der Xia Dynastie das Ende einer primitiven Gesellschaft. Der Xia-Dynastie folgte die Shang- und Zhou-Dynastie. Unter der Zhou-Dynastie entwickelten sich die chinesische Schrift und die Lehren des Konfuzius und der Daoismus. Beide Religionen haben bis heute erheblichen Einfluss auf die chinesischen Denkweisen. 221 v. Chr. gründete sich die Qin-Dynastie, die erste feudale Alleinherrschaft in China. Im frühen 13. Jh. besetzten die Mongolen unter der Führung von Genghis Khan China. Sein Enkel Kublai Khan errichtete die Yuan-Dynastie, die erste ausländische Regierung Chinas. Mitte des 17. Jh. errichteten mandschurische Truppen die Qing-Dynastie, Chinas letzte Dynastie. Vier große chinesische Erfindungen stammen aus dieser Zeit: die Papierherstellung, der Druck mit beweglichen Blöcken, das Schießpulver und der Kompass.
Der Opiumkrieg im 19. Jh. stellte einen bedeutenden Wendepunkt in Chinas Geschichte da. Zuvor war China ein unabhängiger Feudalstaat gewesen, nach der Unterwerfung durch die Briten verwandelte sich China jedoch in ein teilkoloniales und teilfeudales Land. Über hundert Jahre bis zum Ende des Chinesisch-Japanischen Krieges musste sich das einst so stolze China immer wieder fremden Mächten beugen. Nach dem verlorenen Opiumkrieg gegen die Briten und der deutlich gewordenen Unterlegenheit des chinesischen Militärs setzten sich andere europäische Staaten, Amerikaner und Japaner an der Küste Chinas fest. Das Reich der Mitte erlebte eine Vielzahl kriegerischer Auseinandersetzungen. Durch die Niederlage gegen die Japaner im Jahre 1894/95, mussten chinesische Gebiete an Japan abgetreten werden. 1931 besetzte Japan die rohstoffreichen Gebiete der Mandschurei und errichtete auf chinesischem Boden das Kaiserreich Mandschukuo. Am 7. Juli 1937 begann der chinesisch-japanische Krieg. Die Japaner eroberten wichtige Städte wie Shanghai, Nanjing und Guanzhou. Erst als die Alliierten – besonders die USA – zur Hilfe kamen, kapitulierte Japan. Der Krieg endete mit knapp 20 Millionen Opfern. Das geschundene aber freie Land brauchte nun eine neue Regierung. Das war der Auslöser des Bürgerkrieges zwischen den kommunistischen Streitkräften unter Mao Zedong und der nationalchinesischen Regierung unter Chiang Kaishek. Während des vierjährigen Bürgerkrieges drängten Maos Truppen das Militär immer weiter zurück, bis Chiang Kaishek mit seinen letzten Soldaten auf die Insel Taiwan flüchtete.
Damit hatten die kommunistischen Kämpfer gesiegt und am 1. Oktober 1949 wurde die Volksrepublik China mit dem Vorsitzenden Mao Zedong ausgerufen. Er beendete somit Chinas Status als Halbkolonie und verschaffte China wieder die Souveränität gegenüber dem Einfluss von Japan, der USA, England und Frankreich. Nach dem Vorbild der Sowjetunion machte Mao es sich zum Ziel, durch Enteignung von Großgrundbesitzern und Zuteilung von Land an Besitzlose die haushaltsbezogene Wirtschaft zu zerschlagen. Im Jahr 1950 waren in den Städten fast die gesamte Industrie und der Handel verstaatlicht. Der Wendepunkt dieses sozialistischen Aufbaus setzte Mao mit seiner Kampagne „Der große Sprung nach vorn“ mit dem er versuchte ein schnelleres Wirtschaftswachstum zu erreichen und der Sowjetunion die sozialistische Führungsrolle streitig zu machen. Dieser Versuch führte allerdings durch wirtschaftliche Fehlentscheidungen, vor allem in der Landwirtschaft, zu großen Hungersnöten und zu dem opferreichsten Experiment der Volksrepublik China. In den folgenden „drei bitteren Jahren“ starben rund 30 Millionen Chinesen an Mangelernährung.
Mao zog sich nach dieser prekären Niederlage aus der Öffentlichkeit zurück. In diesen Jahren erreichten seine Vertreter (unter anderen Deng Xiaoping, späterer Reformer) eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Lage. 1966 kehrte Mao mit seiner „Großen Proletarischen Kulturrevolution“ wieder zurück in die Öffentlichkeit. In dieser Revolution versuchte Mao zum einen das Land vor vermeintlichen Gegnern der Kommunistischen Partei zu säubern und zum anderen die Ziele des Kommunismus in den Köpfen der Menschen weiter voranzubringen. Politiker, „die den kapitalistischen Weg gehen“ wurden gestürzt und inhaftiert. Viele parteikritische Intellektuelle sowie politisch Verdächtige wurden ermordet.
Nach Maos Tod, im September 1976 setzte der Reformer Deng Xiaoping mit der sozialistischen Modernisierung der Wirtschaft einen Schwerpunkt der Politik. Seine Reform- und Öffnungspolitik verhilft China seitdem zu einer außergewöhnlichen Wirtschaftsdynamik. Bis heute setzt die Kommunistische Partei auf den Verbund der autoritären Führung mit einer marktwirtschaftlichen Ordnung. („Sozialismus chinesischer Prägung“).
Die aktuelle Politik ist geprägt von zwei grundlegenden historischen Belastungen. Zum einen führt das starke Bevölkerungswachstum zu erheblichen landwirtschaftlichen Problemen. Gegen diesen Trend wurde 1979 die Ein-Kind-Politik eingeführt. Zum anderen gibt es, nach der langen Phase der Kriegsniederlagen, den Wunsch der nationalen Stärkung, um China wieder in Weltwirtschaft und Weltpolitik zu etablieren.
Die Volksrepublik China wird seit ihrer Gründung immer nur von einer einzigen Partei, der KPC, regiert. Der derzeitige Generalsekretär und damit Vorsitzender und ranghöchstes Mitglied der Partei ist seit 2002 Hu Jintao. Obwohl es nicht in der Verfassung steht, ist die Volksrepublik China ein Einparteiensystem. Jede Art von Organisationsbildung, die sich nicht der Partei unterordnet, ist strafbar. Organisierte Oppositionen außerhalb der Partei werden zerschlagen und bestraft. Dabei werden die Oppositionellen nicht nur inhaftiert sondern auch in psychiatrische Kliniken eingewiesen.
Taiwan-Konflikt
Die Republik China auf Taiwan sieht sich als souveränen Staat, der sich durch die Gründung der Volksrepublik 1949 vom Festland-China abgespalten hat. Die Volksrepublik China betrachtet Taiwan allerdings als abtrünnige Provinz und vertritt nach außen die Ein-China-Politik. Diese besagt, dass es nur ein China gibt, das neben dem Festland mit Macao und Hongkong auch das von der Republik China kontrollierte Taiwan umfasst. Die Anerkennung der Ein-China-Politik ist Voraussetzung für jedes Land, das diplomatische Beziehungen mit der Volksrepublik China aufnehmen will.
Tibet-Konflikt
Bis 1911 hatte Tibet die Stellung eines „mit China assoziierten Landes“ eingenommen. Lokale Angelegenheiten wurden von Tibet selbst verwaltet, für die Außenpolitik und das Militär war Peking zuständig. Das Oberhaupt Tibets, der Dalai Lama, erklärte das Land 1912 nach dem Sturz der letzten Kaiserdynastie für unabhängig. Dies wurde von Seiten Chinas nicht anerkannt und nach der gewaltsamen Eingliederung Tibets im Jahr 1950 in den Staatsverband zwang die kommunistische Führung Tibet die „Maßnahme zur friedlichen Befreiung Tibets“ auf. Peking verpflichtete sich dazu, am politischen System nichts zu verändern und die tibetische Religion, Sprache und Kultur zu schützen und anzuerkennen. In den folgenden Jahren wurde jedoch die Religionsfreiheit eingeschränkt, Klöster wurden geschlossen und Mönche zu körperlicher Arbeit gezwungen. 1959 kam es zu Aufständen, die von chinesischen Truppen blutig niedergeschlagen wurden und 87.000 Tibeter das Leben kosteten. Der Dalai Lama floh mit 100.000 Anhängern ins Exil nach Indien. 1964 wurde zwar das autonome Gebiet Tibet gegründet, es blieb allerdings völlig rechtlos. Mit dem Einsatz der Kulturrevolution wurde versucht, die gesamte tibetische Identität auszulöschen. Tausende Tibeter kamen in Arbeitslager und jegliche Art von kultureller Selbstständigkeit ist untersagt worden. Mittlerweile sind 2690 der ursprünglichen 2700 Klöster zerstört worden. Ausgehend von der bestehenden Lage fordert der Dalai Lama, dass Tibet wie vor 1911 wieder ein mit China assoziierter Staat wird.
Uiguren-Konflikt
Die Uiguren sind ein altes Turkvolk, das in Ostturkestan ansässig ist, und eine über 4000 Jahre alte Geschichte zu verzeichnen hat. Von den Mandschus unterworfen, verloren die Uiguren allerdings im 18. Jahrhundert die Unabhängigkeit ihres Reiches. Trotz verschiedener Freiheitsbewegungen, Aufstände und Kriege, konnten die Uiguren ihre Unabhängigkeit nur für kurze Zeit wiedererlangen, bis sie schließlich 1949 als autonome Provinz Xinjiang Teil der chinesischen Volksrepublik wurden. Ab dieser Zeit begann China, in Xinjiang regimetreue Han-Chinesen anzusiedeln, mit dem Ziel, so die Kultur und Identität der muslimischen Minderheit nach und nach verschwinden zu lassen. Besonders wegen der reichen Erdöl- und Erdgasvorkommen in Xinjang ist das Gebiet für China politisch und ökonomisch von hoher Bedeutung. Seit mehreren Jahrzehnten bereits kommt es immer wieder zu Unruhen, die 2009 erstmalig in solchem Maße eskalierten, dass vor allem die militärischen Interventionen der Regierung die anhaltende Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf sich zogen.
Wirtschaft und Soziales
China hat in den letzten Jahren ein explodierendes Wirtschaftswachstum erlebt und sich zu einer globalen Wirtschaftsmacht entwickelt.
Nach über dreißig Jahren der marktwirtschaftlich orientierten "Reform- und Öffnungspolitik" befindet sich China im Aufbau der "sozialistischen Marktwirtschaft chinesischer Prägung". Es entsteht ein wichtiger Strukturwandel von der geschlossenen hin zur offenen Marktwirtschaft, von primärer Landwirtschaft hin zur Industrie- und Dienstleistungswirtschaft.
Es gibt kaum ein Produkt auf der Welt, welches nicht auch in China produziert wird. Die wichtigsten Exportgüter sind Maschinen, elektronische Produkte und Textilien. Im Importsektor dominieren mineralische und chemische Produkte sowie Metalle. Mit dem Beitritt zur Welthandelsorganisation 2001 setzte China ein deutliches Zeichen für die Eingliederung des Landes in die globale Weltwirtschaft.
Die spektakulären Wirtschaftserfolge haben jedoch eine immer deutlicher werdende Schattenseite. Wachsende soziale Ungleichheit und die gewaltige Einkommensunterschiede zeigen sich besonders im Vergleich zwischen Stadt und Land. Sie resultieren hauptsächlich aus den sinkenden Investitionen in die Landwirtschaft und steigenden Steuern, die die Bauern an die lokale Regierung abführen müssen. Die zahlreichen Wanderarbeiter, die vom Land in die großen Städte flüchten, arbeiten meist unter prekären Bedingungen.
Das enorme Wirtschaftswachstum erlebt China nicht zuletzt auf Kosten der Umwelt. Ein Drittel des Landes verzeichnet sauren Regen und rund ein Viertel der Bürger hat keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.
Die Gesundheitsversorgung hat sich im Vergleich zu früheren Zeiten erheblich verschlechtert. Seit Chinas Gesundheitssystem auf marktwirtschaftliche Prinzipien umgestellt wurde, sind Arztbesuche und Medikamente sehr kostspielig und für die ärmere Bevölkerung unerschwinglich geworden.
Frauen gelten in der Volksrepublik China zwar formal als gleichberechtigt, jedoch gibt es vor allem auf dem Land noch erhebliche Unterschiede bei der Bewertung der Geschlechter: Ein Sohn wird hier einer Tochter noch immer vorgezogen. Viele Eltern lassen das Geschlecht des Kindes während der Schwangerschaft per Ultraschall bestimmen. Wird ein weiblicher Fötus festgestellt, ist ein vorzeitiger Schwangerschaftsabbruch keine Seltenheit. Dies ist zwar seitens Regierung nicht erlaubt, durch Bestechung des medizinischen Personals jedoch trotzdem geläufig. Auch Schulbildung gilt für Mädchen auf dem Land immer noch als unwichtig. Über 70% der Analphabeten sind Frauen.
In China gilt offiziell das Recht der Religionsfreiheit. Besteht jedoch die Gefahr einer Konterrevolution oder stört die religiöse Aktivität die öffentliche Ordnung wird diese Freiheit stark eingeschränkt. Verbreitete Religionen sind Buddhismus, Daoismus, der Islam und das Christentum. Alter chinesischer Volksglauben und der Konfuzianismus beeinflussen die moralischen Werte der chinesischen Bevölkerung.
China ist mit etwa 1,3 Milliarden Bewohnern das bevölkerungsreichste Land der Welt. Mehr als 90% der Bevölkerung gehören den zur Urbevölkerung zählenden Han-Chinesen an. Daneben gibt es über fünfzig ethnische Minderheiten.


