Projektpartner | Sri Lanka
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Geschichte und Politik
Sri Lanka liegt nur rund 80 km vor der Spitze Süd-Indiens. Die 65.610 qkm große Insel lässt sich in drei Regionen unterteielen: die feuchte Tiefebene an der Südwestküste, die Gebirgsregion im Inneren der Südhälfte (Teeanbaugebiet) und das trockene Tiefland an der Küste im Nordwesten, Osten und Südosten. 70% der Bevölkerung leben in der Feuchtzone auf 30% der Landesfläche.
Bevor Großbritannien die Insel zu ihrer Kolonie machte, bestanden dort zwei voneinander unabhängige Königreiche: das der buddhistischen Singhalesen und das der hinduistischen Tamilen. 1833 löste die britische Administration deren Eigenständigkeit auf und errichtete eine gemeinsame Kolonialverwaltung, wobei sie die tamilische Minderheit bei der Ämtervergabe bevorzugten. Mit der Unabhängigkeit 1948 vermischten sich die beiden Bevölkerungsgruppen. Doch bereits 1956 fegte ein singhalesisch-buddhistischer Nationalismus Ansätze friedlicher Koexistenz hinweg. Die rund 13 Millionen Singhalesen beschnitten systematisch die Rechte der nur 2,9 Millionen Tamilen. Singhala wurde alleinige Staatssprache, tamilisches Land zwangsbesiedelt, die Minderheit bei der Ausbildung und Stellenvergabe extrem benachteiligt und die Tamilenpartei TULF 1983 per Verfassungsänderung beseitigt. Plünderung und Verwüstung tamilischer Läden und Häuser, Landbesetzung und Vertreibung bis hin zur völligen Isolierung der tamilischen Bevölkerung auf der nördlichen Halbinsel Jaffna taten ein Übriges, um den Konflikt zwischen Tamilen und Singhalesen zu verschärfen. Seit den achtziger Jahren kämpften verschiedene Guerilla-Gruppen für ein unabhängiges 'Tamil Eelam'. Sie wurden zum Teil vom benachbarten Tamil Nadu, dem südlichsten Bundesstaat Indiens, wo ca. 55 Millionen indische Tamilen leben, unterstützt. Die srilankische Luftwaffe indes bombardierte tamilische Gebiete, um die Stellungen der Befreiungsorganisation 'Tamil Tigers' zu zerstören und schreckte dabei auch vor Opfern in der Zivilbevölkerung nicht zurück. Doch auch die 'Tigers' trugen den Krieg in die Häuser: Es gab blutige Übergriffe auf die moslemische und singhalesische Zivilbevölkerung im Osten des Landes. Es gab die Zwangsrekrutierung 10-12jähriger Jungen, falls die Eltern nicht genügend Geld bezahlen konnten. Die Bedrohung von allen Seiten, die Zerstörung der Lebensgrundlage, die nicht endenden Massaker und Vergeltungsschläge trieben die srilankische Bevölkerung in die Flucht. Hunderttausende lebten in überfüllten Flüchtlingslagern. Viele hatten ihre Heimat ganz verlassen, viele Tausende von Menschen wurden und werden vermisst. Im Januar 1995 wurde ein Waffenstillstand ausgehandelt, der jedoch nur vier Monate anhielt. Am 8.04.1996 musste über das gesamte Land der Ausnahmezustand verhängt werden und am 13.05.1997 begann die Regierung mit 20.000 Soldaten die bis dahin größte Offensive gegen die LTTE. Am 26.01.1998 wurde die Tamilenorganisation LTTE dann formell verboten. Das unbefristete Waffenstillstandsabkommen zwischen der Regierung von Sri Lanka und den Liberation Tigers of Tamil Eelam am 22.02.2002 sowie der Beginn der Friedensverhandlungen beendeten den 20jährigen Bürgerkrieg. Unterbrochen von vereinzelten Anschlägen scheint er zu halten. Sri Lanka hatte eine Anzahl an politischen Morden zu verzeichnen. Sowohl Präsident Ranasinghe Premadasa (1993), als auch der gegen die jetzige Präsidentin Chandrika Kumaratunga (Sri Lanka-Freiheitspartei/SLFP) angetretene Präsidentschaftskandidat Gamini Dissanayake wurden ermordet. Kumaratunga wurde 1994 für sechs Jahre gewählt. Die Staatspräsidentin ist in Sri Lanka gleichzeitig die Regierungschefin und die Oberbefehlshaberin der Streitkräfte. Sie ernennt und entlässt des weiteren den/die Premierminister/-in und das Kabinett. Präsidentin Kumaratanga war ursprünglich als Ministerpräsidentin gewählt worden, liess sich aber als Staatspräsidentin wählen und ernannte ihre Mutter, Sirimavo Bandaranaike, zur Ministerpräsidentin.
Am 22. Februar 2002 schloss die Regierung von Sri Lanka mit den Liberation Tigers of Tamil Eelam ein unbefristetes Waffenstillstandsabkommen. Im September 2002 begannen die Friedensverhandlungen. Auch zwei Jahre nach dem Waffenstillstand sind die Spuren des 20 jährigen Bürgerkriegs überall sichtbar. Heute erinnern Schilder, die vor Minen auf den Feldern warnen, zerschossene Häuser und Flüchtlingslager an den Bürgerkrieg, bei dem es 60 000 Tote gab. Millionen von Menschen wurden durch den Krieg vertrieben. Langsam macht nun der Krieg, der lange das Leben der Menschen bestimmte, wieder Platz für anderes.
Im April 2004 gewann die Parteiallianz von Präsidentin Chandirka Kumaratunga die um vier Jahre vorgezogene Parlametswahl überraschend klar. Verlierer wurde die Vereinte Nationale Front (UNF), das Bündnis von Ministerpräsident Ranil Wickramasinghe. Die den Rebellen nahestehende Tamilische Nationalallianz (TNA) wurde drittstärkste Kraft. Wahlbeobachter der Europäischen Union kritisierten die parteiische Medienberichterstattung in Sri Lanka über die Wahl. Staatsmedien hätten in ihren Berichten die Präsidentin bevorzugt, während die privaten Medien sich auf den Regierungschef konzentriert hätten.
Nach einer zweiten Amtsperiode durfte Kumaratunga nicht mehr für das Präsidentschaftsamt kandidieren. Ihr Nachfolger im Amt wurde am 17. November 2005 Premierminister Mahinda Rajapakse von der Sri Lanka Freedom Party (SLFP). Die LTTE riefen zum Wahlboykott auf und setzten diesen in den von den Rebellen kontrollierten Gebieten durch.
Wirtschaft und Soziales
Die Inselrepublik, die bis 1972 unter dem Namen Ceylon bekannt war, ist ein Agrarland mit großen Problemen. 70% der Bevölkerung leben in der Feuchtzone auf 30% der Landesfläche. Das Land ist relativ arm an mineralischen Rohstoffen und natürlichen Brennstoffen, verfügt jedoch in Land- und Forstwirtschaft auf Grund des Klimas über ein beträchtliches Entwicklungspotential. Das Schwergewicht der Landwirtschaft liegt seit der britischen Kolonialzeit (1796) im Bereich der exportierenden Monokulturen: Tee, Kautschuk, Kokosprodukte. Während Portugal (1505 bis 1658) und die Niederlande (1658 bis 1796) an der Monopolisierung des Gewürzhandels interessiert waren, führte Großbritannien den planmäßigen Kaffeeanbau ein. Nach Vernichtung der Kaffeeplantagen durch Pilzbefall 1877 wurde der Teeanbau forciert, es begann die folgenreiche Außenorientierung der ceylonesischen Wirtschaft. Die bäuerliche Reiswirtschaft wurde vernachlässigt, zur Eigenversorgung musste Reis eingeführt werden. Neben Land- und Forstwirtschaft entwickelte sich nach 1945 die Tourismusindustrie zu einem bedeutenden, staatlich forcierten, Wirtschaftszweig.
Die Wirtschaft Sri Lankas hat insbesondere Mitte der neunziger Jahre mit erheblichen, sicherlich auch durch die bürgerkriegsähnlichen Zustände bedingt, Einbußungen zu kämpfen. Seit 1997 hat sich die ökonomische Lage Sri Lankas, besonders auch wegen den steigenden Touristenzahlen, der fortschreitenden Privatisierung der Wirtschaft und dem ausreichendem Regen wieder etwas verbessert. Zwar ist der Drang zur Industrialisierung in Sri Lanka nicht besonders hoch, da sich die Volkswirtschaft auf den Dienstleistungssektor hin orientiert hat (knapp 53% des BIP). Aber auch die Landwirtschaft darf nicht außer Acht gelassen werden (knapp 23% des BIP), zumal sie die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen muss.
Für das Jahr 2000 werden positive Prognosen gestellt, zwar nicht durch den Devisenbringer Tourismus, der durch die andauernden politischen Unruhen in Mitleidenschaft gezogen wurde, aber durch die gestiegenen Aktivitäten in der Landwirtschaft und im Handel. Sogar ein Exportwachstum von 10% wird von der Zentralbank vorausgesagt. Seit Jahren steht an erster Stelle der Export an Textilien, die ca. 50% der Gesamtexporte ausmachen, gefolgt von landwirtschaftlichen Produkten, weiterhin von Tee, Kautschuk und Kokoserzeugnissen.
Die Regierung Sri Lankas kontrolliert den Geldverkehr und untersagt kurzfristige Auslandsanleihen. Ausländischen Geldgebern soll somit kein Weg zur Spekulation, sondern nur zur Investition freigegeben werden.
Die jüngste ökonomische Entwicklung Sri Lankas stand ganz im Zeichen der Tsunami-Katastrophe vom Dezember 2004. Trotz umfangreicher Schäden wuchs das Bruttoinlandsprodukt 2004 aber auf 5,4% und 2005 um 5,9%. Zu diesem positivem Trend haben wohl vorrangig der 2002 abgeschlossene Waffenstillstand mit den tamilischen Rebellen, sowie die Entwicklungen in den Sektoren Industrie, Dienstleistungen und Baugewerbe beigetragen.
Die Auslandsschulden wurde 2005 mit 11,6 Mrd. US$ beziffert
2006 wurde die Einwohnerzahl Sri Lankas auf 19,63 Mio. geschätzt, wobei 2/3 der Bevölkerung Singhalesen und 1/3 der Bevölkerung Sri Lanka-Tamilen sind, neben einer kleinen Anzahl an Indien-Tamilen, Moors, Malaien, Burgher. Auch gibt es in Sri Lanka noch 2500 Wedda, die Ureinwohner des Landes, von denen etwa 600 Wedda noch als Jäger und Sammler in weitgehend intakten Gemeinschaften leben. Ihre Lebensgrundlage ist aufgrund von Staudammerstellungen und die Einrichtung von Nationalparks stark gefährdet.
Der jährliche Bevölkerungswachstum liegt bei 0,8%. Dies gilt als eine geringe Quote im Vergleich zu anderen Ländern mit vergleichbarem Entwicklungsstand.
75% der Bevölkerung spricht, in Folge der enormen Überzahl, Singhalesisch (Sinhala), 20% Tamil - beide Sprachen gelten jedoch per Verfassung als gleichberechtigte Nationalsprachen -. Darüberhinaus wird auch Malaiisch gesprochen. Die Handels- und Bildungssprache ist Englisch.
Auch bei der Religionszugehörigkeit macht sich dieses Verhältnis bemerkbar. So sind 69,3% der Bevölkerung Buddhisten, v.a. die Singhalesen, 15,5% Hindus, v.a. die Tamilen, 7,6% Muslime, v.a. die Moors und 6,9% Katholiken.
Im Bereich des Bildungswesens nimmt Sri Lanka eine sehr gute Position im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern ein. 1996 lag die Analphabetenquote bei Männern bei 10% bei Frauen bei 14%. Diese Quote konnte in den vergangenen Jahren weiter gesenkt werden. Die Schulpflicht beträgt fünf Jahre. Auch im Gesundheitswesen steht Sri Lanka zu vergleichbaren Ländern gut da, allerdings haben 43% der Bevölkerung keinen Zugang zu einwandfreiem sauberem Trinkwasser.


