Projektpartner in Indonesien
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Geschichte und Politik
Wirtschaft und Soziales
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Geschichte und Politik
Schätzungsweise 17.000 Inseln umfasst der größte Archipel der Erde, der sich entlang des Äquators über eine Wasserfläche von 3.166.163 km² erstreckt. Eingebettet zwischen Indischem Ozean, Südchinesischem Meer und Pazifik bildet das Inselreich die Brücke zwischen Asien und Australien. Entsprechend vielschichtig ist die Bevölkerung zusammengesetzt: Polynesische, malaiische, melanesische und negride Völker haben sich angesiedelt und ihre Spuren hinterlassen.
Mit den unterschiedlichen Einflüssen kamen auch neue Religionen und Götter ins Land. War der Glaube zunächst vom Animismus geprägt, der Natur und Mensch als Einheit betrachtet und allen Dingen eine Seele zuschreibt, so gelangten ab dem ersten Jahrhundert (unserer Zeit) aus China, Indien und dem Nahen Osten buddhistische, hinduistische und islamische Strömungen auf die Inseln. Bereits im 7. Jahrhundert galt das blühende Srivijaya, der südliche Teil des heutigen Sumatras, als spirituelles Zentrum des Buddhismus, während sich über Java allmählich der Hinduismus ausbreitete. Gewaltige Tempelanlagen entstanden, hier zu Ehren von Buddha, dort zu Ehren von Wishnu und Shiwa - immer aber in überwiegend friedlicher Koexistenz.
Gleichzeitig brachten persische und arabische Händler den Islam über das Meer, der ab dem 14. Jahrhundert zunehmend an Bedeutung gewann. Unerwarteten Zustrom löste der Vormarsch der Portugiesen aus. Sie eroberten 1511 den Seehafen Malakka und drangen immer weiter in den muslimischen Machtbereich ein. Um nicht vollends unterzugehen, waren die verbliebenen hinduistischen Fürsten nun gezwungen, sich entweder dem Christentum zu unterwerfen oder dem Islam anzuschließen - Java wurde weitgehend muslimisch. Dabei diente der neue Glaube zum Teil auch als Schutzschild, hinter dem die hindujavanische Tradition ungehindert fortgesetzt werden konnte. Doch der Siegeszug des Islam war damit besiegelt. Heute sind nach offiziellen Angaben 87% der Bevölkerung Indonesiens Muslime, 8% bekennen sich zum Christentum, 2,8% zum Hinduismus (vorwiegend auf Bali) und 2% zum Buddhismus.
Ende des 16. Jahrhunderts begann die gewalttätige Eroberung des Archipels. Schon Portugal und Spanien hatten den Reichtum an Gewürzen zu schätzen gewusst, der sich im fernen Europa mit Gold aufwiegen ließ. Doch erst die niederländische Handelskompanie VOC (Vereinigte Ost-Indische Companie) trieb die wirtschaftliche Kolonialisierung mit allen Mitteln voran. Sie vertrieb die europäischen Konkurrenten, zerstört den javanischen Handel und spielte die einheimischen Fürsten gegeneinander aus, bis diese - geködert mit Beteiligungen - ihre Untertanen zum exportorientierten Anbau anhielten.
Zwei Jahrhunderte hielt die VOC ihre Monopolstellung; neben den Gewürzen gewannen Tee, Kaffee und Tabak an Bedeutung. Aufgrund immenser Verwaltungskosten und Korruption musste sich die VOC 1799 für bankrott erklären. Die niederländische Regierung übernahm die Kolonialverwaltung.
Großbritannien sah im Rahmen der Kämpfe eine Gelegenheit, seinen Machtbereich in Südostasien auszudehnen und besetzte Java 1814. Nach Napoleons Niederlage, teilten die beiden verbliebenen Kolonialmächte das Inselgebiet endgültig unter sich auf. Großbritannien trat Java wieder ab und erhielt Malaysia und Singapur, die Niederlande bekamen Indonesien.
"Merdeka !": Freiheit !
Die folgenden Jahrzehnte veränderten das Leben der einheimischen Bevölkerung total. Mit einem Abgabensystem hielt die Kolonialmacht die Bauern und Bäuerinnen in Abhängigkeit, die bald eingeführte Plantagenwirtschaft zerstörte die traditionellen Familienstrukturen. Immer wieder kam es zu Aufständen, die jedoch blutig niedergeschlagen wurden.
Während die meisten Einheimischen zu Arbeitssklaven verkamen, zog sich die Kolonialverwaltung eine europäisch gebildete Führungsschicht heran. Aus dieser entwickelte sich der Motor einer nationalen Bewegung, gestützt von religiösen Kräften des Islam. 1918 sah sich die niederländische Administration gezwungen, einen Volksrat einzuführen. Dieser hatte zwar keine direkte politische Macht, stärkte aber das Nationalbewusstsein des Volkes.
Mit der japanischen Invasion schien 1942 das Ende der Kolonialzeit gekommen. Nippon hingegen war in erster Linie an menschlichem Kanonenfutter für seinen Eroberungsfeldzug interessiert. Unter dieser erneuten Unterdrückung wuchs der Widerstand und die Forderung nach Autonomie. Kaum hatte Japan kapituliert, wurde die Unabhängigkeit ausgerufen. Doch da waren noch immer die alten Gebietsansprüche: Unterstützt von den alliierten Siegermächten traten nun die Niederlande auf den Plan, um ihre Kolonie wieder in Besitz zu nehmen - allerdings berechneten sie nicht den Widerstand durch die Volksarmee und machte zweifelhafte Zugeständnisse, um ihre Hoheitsansprüche zu sichern. Erst internationaler Druck führte 1949 im Rahmen einer UNO-Konferenz zu einer Verzichtserklärung der Niederlande, die Indonesien endlich die Unabhängigkeit brachte.
Als eines der größten Probleme des neuen Staates erwiesen sich die unterschiedlichen Ansprüche religiöser und ideologischer Art. Bei den ersten Wahlen 1955 gingen aus 190 politischen Parteien vier Sieger hervor - eine klare Mehrheit war nicht zu erzielen. Die Umsetzung des Slogans "Einheit in Vielfalt" gestaltete sich äußerst schwierig. Vor allem zwischen dem Militär und der kommunistischen Partei entwickelten sich Spannungen, die 1965 in einem Massaker gipfelten. Zwischen 500.000 und einer Million Menschen wurden ermordet und viele tausend Menschen wurden auf abgelegene Inseln in Konzentrationslagern deportiert.
Mit diesem Gemetzel fand die sozialliberale Politik ein jähes Ende. General Suharto, der nun die Macht übernahm und 1968 zum neuen Präsidenten gewählt wurde, setzte die Einheit als Priorität: Massenmedien wurden auf eine Linie gebracht, Parteien weitgehend entpolitisiert, die Gesellschaft gleichgeschaltet. Zwar wurden Religions- und Meinungsfreiheit nicht direkt angetastet, doch hat sich der Einzelne dem Allgemeinwohl unterzuordnen. Wiederholt auftauchende Forderungen nach Demokratisierung wurden erstickt. General Suharto blieb bis Mai 1998 und wurde vom Kabinett Habibie abgelöst. Doch schon wieder im Oktober 1999 wurde Abdurrahman Wahid für fünf Jahre als Staats- und Regierungschef durch die Volksversammlung gewählt, nachdem im Juni 1999 die ersten freien Parlamentswahlen seit 1955 stattgefunden hatten. Wahids Politik entspricht der indonesischen Staatsideologie Pancasila, die die Trennung von Religion und Staat, sowie religiöse und ethnische Toleranz beinhaltet. Er war 1991 der Mitbegründer des oppositionellen Forums Demokrasi und gründete im Juli 1998 die Partei des Nationalen Erwachens (PKB). Seine Regierung setzte sich als Hauptziel die Erholung der indonesischen Wirtschaft und die Wahrung der territorialen Integrität Indonesiens.
Am 12. Oktober 2002 ereignet sich der Terroranschlag auf der Touristeninsel Bali, der 202 Tote und mehr als 300 Verletzte forderte. In der zweiten Runde der ersten direkten Präsidentschaftswahlen in der Geschichte Indonesiens am 20.September 2004 setzte sich Generalleutnant i. R. Dr. Susilo Bambang Yudhoyono (Demokratische Partei) mit 60,6% der Stimmen klar gegen die seit dem 23.Juli 2001 amtierende Staatspräsidentin Megawati Sukanoputri durch.
Wirtschaft und Soziales
Neben Südkorea und Thailand zählte Indonesien zu den am stärksten betroffenen Ländern der Asienkrise 1997/98. Nach knapp drei Jahrzehnten starken Wirtschaftswachstums sahen sich die Tigerstaaten mit einem plötzlichen Fall in eine tiefe Rezession konfrontiert. Zuvor schien Indonesien einen Strukturwandel, von einem Rohstoff exportierenden, stark landwirtschaftlich geprägten Staat zu einem Industrieland mit einer diversifizierten Exportstruktur, zu vollziehen. Anfang 1998 stürzte die Landeswährung Rupiah gegenüber dem US$ auf 20% ihres Wertes. Die Inflation betrug 77% im Jahre 1998. So mussten viele Privatunternehmen Konkurs anmelden, und die Arbeitslosenquote stieg von 1997 2,5% auf (schätzungsweise) 22-24% im Jahre 1998. Dazu galten bis zu 40% der erwerbstätigen Menschen in Indonesien als unterbeschäftigt.
In den darauf folgenden Jahren erholte sich die Wirtschaft, auch aufgrund seiner reichhaltigen Rohstoffvorkommen, vergleichsweise schnell.
Am 26.12.2004 erschütterte ein Seebeben der Stärke 9 auf der Richterskala (weltweit das stärkste Beben seit 40 Jahren) und die dadurch ausgelösten Tsunamis den Indischen Ozean. Allein Indonesien hat 131.934 Todesopfer und 37.006 Vermisste zu beklagen. Der wirtschaftliche Schaden wird mit 4,45 Mrd. US$ beziffert. Auch in der Folge wurde die Region immer wieder von verheerenden Naturkatastrophen heimgesucht.
Seit der Tsunami-Katastrophe ist das immer noch hoch verschuldete Land (2005: 113,5 Mrd. US$) mehr denn je auf der Suche nach internationalen Investoren. Hauptaugenmerk will die Regierung in den dringend notwendigen Ausbau der Infrastruktur, sowie Abbau der Massenarbeitslosigkeit legen.
Indonesiens Bevölkerung (2006 knapp 222 Mio. Einwohner) ist auf die einzelnen Inseln sehr ungleichmäßig verteilt, so dass die Regierung durch laufende Umsiedlungsmassanahmen die Inseln Java und Bali zu entlasten versucht. Diese Maßnahmen sind allerdings weltweit sehr umstritten. Zudem kommen ökologische Schäden und interethnische Konflikte in den Umsiedlungsgebieten zum Tragen.
Die indonesische Bevölkerung setzt sich aus austronesischen Malaien, (=Javaner (45%), Sundanesen (14%) und Madrusen (7,5%), sowie Papuas, Chinesen u.a. zusammen.
Die Staatssprache ist Indonesisch (Bahasa Indonesia), das offiziell nach der Unabhängigkeit eingeführt wurde. Daneben gibt es 200-250 (malaio-polynesische und Papua-) Sprachen und Dialekte ethnischer Gruppen. Englisch gilt als Bildungs- und Handelssprache. Niederländisch und Chinesisch sind ebenfalls verbreitet. In den Schulen wird Englisch, zum Teil auch Niederländisch und Chinesisch unterrichtet.
88% der indonesischen Bevölkerung sind sunnitische Muslime, 5% Protestanten, 3% Katholiken, 2% Hindus, 1% Buddhisten, sowie ein geringer Anteil an Konfuzianer, Pfingstlern und Anhängern von Naturreligionen.
Aufgrund der geographischen Bedingungen ist die Gesundheitsversorgung besonders auf dem Lande unzureichend.
Eine Studien der Weltbank aus dem Jahr 2007 wirft Indonesien vor, nach den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China der drittgrößte Klimasünder der Welt zu sein. Hauptursache sei die Brandrodung.



