Projektpartner | Libanon
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lb4 - Fair Trade Lebanon
Geschichte und Politik
Über vier Millionen Menschen leben derzeit im Libanon, viele davon in der Hauptstadt Beirut. Als traditionelles Zufluchtsgebiet für Verfolgte und aufgrund zahlreicher Einwanderungswellen ist die Bevölkerung religiös und ethnisch stark gemischt.
Die 18 offiziell anerkannten Religionsgemeinschaften stellen Körperschaften des öffentlichen Rechts dar und verfügen über eine begrenzt rechtsprechende Gewalt für ihre jeweilige Gemeinschaft.
Der Libanon erlangte 1943 die Unabhängigkeit von Frankreich und wurde als parlamentarisch-präsidiale Republik konzipiert. Heute sind die politischen Konstellationen stark vom Bürgerkrieg geprägt, der 1975 ausbrach und bis 1990 währte. Die konfessionellen, ethnisch-kulturellen, regionalen und ökonomischen Gegensätze hatten die Gesellschaft nach Jahrhunderten des Zusammenlebens auseinandergerissen. Der Bevölkerungsanteil der Muslime nahm mit der Zeit immer mehr zu, die politische Macht jedoch blieb hauptsächlich bei den Christen.
Aber auch regionale Interessen spielten eine Rolle, was sich durch die Einmischung Syriens und Israels widerspiegelte. Das Abkommen von Taif, das den Krieg beendete, enthält die Selbstverpflichtung des libanesischen Staates, den politischen Konfessionalismus abzuschaffen.
Die Lage hat sich nach Beendigung des Bürgerkrieges weitgehend stabilisiert und es wurden Schritte zur weiteren Reformierung und Demokratisierung des Landes unternommen.
1994 und 1995 kam es im Südlibanon wiederholt zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen der israelischen Armee und der paramilitärischen, schiitischen Hisbollah. Nach der Entführung zweier israelischer Soldaten im israelisch-libanesischen Grenzgebiet gipfelte der Konflikt im Libanonkrieg (Juni bis August 2006). Dabei wurden durch die israelischen Luftangriffe und Bodenoffensiven weite Teile des Südlibanons massiv zerstört. Bei dem Krieg starben über 1100 Libanesen, davon laut libanesischen Quellen zur Mehrheit Zivilisten. Auf israelischer Seite kamen nach UN-Angaben über 40 Zivilisten durch die Raketenangriffe der Hisbollah auf Nordisrael ums Leben.
Nach starken Unruhen und dem Sturz der bestehenden Regierung zu Beginn des Jahres 2011 ist die politische Situation im Libanon weiterhin instabil.
Wirtschaft und Soziales
Der Bürgerkrieg zog Infrastruktur, industrielle und landwirtschaftliche Produktion sowie die Handelsbeziehungen des Libanon stark in Mitleidenschaft. Die ersten Friedensjahre brachten ein kurzlebiges Wachstum, das sich aber schnell wieder abschwächte.
Der Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Sommer 2006 stellte erneut einen schweren Rückschlag für die Wirtschaft des Landes dar. Die libanesische Regierung setzt nun der stetig wachsenden Neuverschuldung ein Wirtschaftsprogramm entgegen, das durch Rückzug des Staates, Privatisierungen und Deregulierung der Waren- und Finanzmärkte den Aufschwung ankurbeln soll. Die volle Integration in den Weltmarkt wird angestrebt. Allerdings leiden libanesische Produzenten unter hohen Produktionskosten, eingeschränktem Zugang zu ausländischen Märkten und der ungünstigen wirtschaftlichen, politischen und geographischen Lage des Landes. Selbst auf dem heimischen Markt werden sie von ausländischen Importen verdrängt.
Die allgemeine Schulpflicht gilt im Libanon bis zum Alter von zwölf Jahren, das Mindestalter für Kinderarbeit beträgt 13 Jahre. 1997 wurde die Konvention zur Abschaffung aller Formen der Diskriminierung der Frau verabschiedet. Trotz anhaltender Probleme wurde eine umfassende Entwicklungsstrategie für alle sozialen Bereiche bisher nicht entwickelt.
Palästinensische Flüchtlinge
Derzeit leben ungefähr 400.000 palästinensische Flüchtlinge im Libanon. Ein Großteil dieser Palästinenser lebt dort schon in der dritten Generation. Sie sind die Nachfahren der ersten 100.000 Flüchtlinge, die nach der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 und dem Ausbruch des Nahostkonflikts das Heilige Land verlassen haben. Die Mehrheit der palästinensischen Flüchtlinge wohnt in abgeschlossen Flüchtlingslagern mit unzureichender Infrastruktur und schlechter sozialer und medizinischer Versorgung. Der Zugang zum Arbeitsmarkt und zum Bildungssystem ist begrenzt, ebenso wie die Möglichkeit zu politischer Partizipation, da eine Integration in die libanesische Gesellschaft kaum stattfindet. Das UN-Hilfswerk UNRWA übernimmt einen beträchtlichen Teil der Versorgung. Eine Lösung des Problems ist derzeit nicht absehbar.
(Stand: November 2011)


