Projektpartner | Mongolei
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Geschichte und Politik
Im 3. Jh. v. Chr. bildete sich das Volk der Mongolen aus Hunnen, Kirgisen, Uiguren und Turkvölkern. Durch die Lage im zentralasiatischem Hochland herrscht in der Mongolei eines der extremsten Klimate der Welt. Aufgrund erheblicher Temperaturschwankungen und dem geringen Niederschlag konnten sich keine sesshaften Lebensweisen entwickeln. Die Bevölkerung war vorwiegend nomadische Hirten, die von der Pferde- und Schafzucht lebten. Die erste Blütezeit erlebte das Mongolische Reich unter der Herrschaft von Dschingis Khan, der die Nomadenstämme vereinigte und ein starkes Heer schaffte. Insbesondere seine berittenen Bogenschützen waren in den angrenzenden Gebieten gefürchtet. Durch die militärische Schwäche und die Zerrissenheit der angrenzenden Völker weitete sich das Mongolische Reich immer weiter aus. Seine Nachfahren schufen im Laufe der Zeit das größte zusammenhängende Reich, das je existiert hat. So drang sein Sohn Ugedai Khan im Jahr 1240 bis nach Mitteleuropa vor, sein Enkel Kublai Khan errichtete in China die Yuan-Dynastie und erreichte mit dieser Eroberung die größte Ausdehnung des Landes.
Nach dem Tod Kublai Khans im Jahr 1241 ließ sich dieses Imperium nicht aufrecht halten. Der entgültige Zerfall erfolgte im Jahr 1543 wobei der Süden an die Mandschu fiel, die als Mandschu-Dynastie (Qing-Dynastie) die darauffolgenden 260 Jahre über China herrschten.
Als im Jahr 1911 diese Dynastie durch die chinesische Revolution gestürzt wurde, erklärte sich der Norden, und damit die heutige Republik Mongolei für unabhängig. Der Süden des Gebietes, die innere Mongolei, gehört bis heute zu China.
Staatsoberhaupt des unabhängigen Landes wurde der buddhistische Lama Dschebtsandampa unter dem Titel Boghdo Geghen Khan, der mit einer kurzen Unterbrechung bis zu seinem Tod im Jahr 1924 regierte. Kurz danach drangen die Bolschewiken in das Land vor und errichteten nach sowjetischen Vorbild die Mongolische Volksrepublik. Die sowjetische Führung schaffte einen modernen kommunistischen Staat und führte die Planwirtschaft ein. Es bildetet sich die Mongolische revolutionäre Volkspartei (MRVP). Der sowjetische Einfluss dieser Einheitspartei zerstörte weitgehend die nomadische Viehwirtschaft, was in den folgenden Jahren große wirtschaftliche Probleme hervorrief. Durch die Stalinistische Säuberung in den 30er Jahren starben etwa 38.000 Mongolen. Unter den Opfern waren viele Intellektuelle sowie 18.000 buddhistischen Mönche.
1990 kam es in der Mongolei zu einer politischen und wirtschaftlichen Wende. Als erstes Transformationsland des Ostblocks wurde die parlamentarische Demokratie mit einem Mehrparteiensystem und Gewaltenteilung in Legislative, Judikative und Exekutive eingeführt. 1992 fand die erste demokratische Parlamentswahl statt, aus der überraschenderweise wieder die Einheitspartei als Sieger hervorging. Vier Jahre später, in den Wahlen von 1996 wurde die MRVP- Regierung zum ersten Mal in der Geschichte der Mongolischen Volksrepublik von der Opposition abgelöst. Die Demokratische Union regierte jedoch nur die folgenden vier Jahre in den nächsten Wahlen gewann die MRVP fast sämtliche Sitze zurück. Seit 2004 regiert eine Koalition aus Mongolischer Volkspartei und einem Parteibündnis.
Bei der Parlamentswahl im Juni 2008 wurde der Volkspartei Wahlfälschung und Betrug vorgeworfen, da diese 50 der insgesamt 76 Sitze im Parlament errungen hatte. In der Hauptstadt Ulan Bator kam es infolgedessen zu Protesten und schweren Auseinandersetzungen, worauf der Präsident Nambariin Enkhbayar den Ausnahmezustand ausrief.
Wirtschaft und Soziales
Seit 1990 verfolgt die mongolische Regierung einen wirtschaftlichen Transformationsprozess von einer Planwirtschaft hin zu einer sozial orientierten Marktwirtschaft. Mit der Transformation und der Auslösung des Ostblocks stand die Mongolei wirtschaftlich vor einer radikal veränderten Situation.
Die Wirtschaftshilfe aus Moskau wurde eingestellt, die Absatz- und Beschaffungsmärkte des COMECON fielen weg. Zudem fehlte der Mongolei jegliche marktwirtschaftliche Struktur. Der Wandel hatte erhebliche wirtschaftliche Probleme zufolge. So schrumpfte das Volkseinkommen um 20%, die Hälfte der Exporte und 70% der Investitionen fielen weg und die Inflationsrate stieg über 400%. Durch internationale Unterstützung konnte die Krise überwunden werden und nach langer Stagnation wächst seit 2002 die mongolische Wirtschaft wieder an.
Im Jahr 2006 stieg das BIP um 8,4% auf 1482,8 Mio. US$, wozu insbesondere der Dienstleistungssektor beitrug. Im Industriellen Bereich wird dem Bergbau die wichtigste Bedeutung zugemessen. Die Bergbauproduktion expandierte in den letzten Jahren und macht mittlerweile über 70% der gesamten Industrieproduktion aus. Obwohl im Landwirtschaftssektor immer noch ein Drittel der Bevölkerung beschäftigt sind trägt die Landwirtschaft nur noch mit 18,8 % zum BIP bei. In den ländlichen Regionen ist die Tierzucht die wichtigste Wirtschaftsgrundlage. Vor allem aus klimatischen Gründen besteht fast die gesamte landwirtschaftlich nutzbare Fläche aus Naturweiden. Nur auf einem Prozent der Fläche kann Ackerbau betrieben werden. Die extrem kalten Winter und sehr trockene Sommer in den letzten Jahren kostete jedoch vielen Tieren das leben und das vernichteten damit die Existenzgrundlage vieler Bauern.
Das Wirtschaftswachstum verbesserte bislang nicht die Lebensbedingungen der armen Bevölkerung. Die Zahl der in extremer Armut lebenden Mongolen hat sich seit 1990 kaum geändert. Immer noch leben in der Mongolei mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung von weniger als einem Dollar pro Tag. Auch soziale Unterschiede und das Stadt-Land-Gefälle nehmen weiter zu.
Auch im sozialem Bereich brachte der schnelle Übergang von der Plan- zur Marktwirtschaft große Schwierigkeiten mit sich. Staatliche Sozialleistungen und soziale Einrichtungen wie Kindergärten, Krankenhäuser und Schulen, die zuvor von der Sowjetunion Unterstützung erhielten, konnten nicht mehr finanziert werden. Es besteht zwar weiterhin eine allgemeine Schulpflicht, die Schulen sind allerdings überfüllt und ausgebildete Lehrer fehlen. Auf dem Land erschwert die schlechte Infrastruktur des Landes den Schulbesuch. Obwohl es keine staatlichen Schulgebühren gibt, können sich viele Eltern die Schulbücher und die Uniform nicht leisten, sodass ein Großteil der Jugendlichen die Schule vorzeitig abbrechen.
Seit die Tierzucht immer mehr an Bedeutung verliert, steigt die Arbeitslosigkeit in den ländlichen Regionen. Viele junge Menschen flüchten in die Städte, obwohl die Aussicht auf eine Anstellung auch dort fast unmöglich ist. Durch die Perspektivlosigkeit der jungen Menschen ist die Jugendkriminalität und der Drogenmissbrauch im Land weit verbreitet.
Die Analphabetisierungsrate ist im Vergleich zu anderen Entwicklungsländern recht niedrig. Nur rund 2,6% Mongolen können nicht lesen und schreiben.
Die Trinkwasserversorgung ist vor allem in den ländlichen Regionen sehr schwach ausgebaut. Nur 60 Prozent der Bevölkerung hat Zugang zu sauberem Trinkwasser und sanitären Anlagen. Ein weiteres gesundheitliches Problem stellt die einseitige und vitaminarme Ernährung da. Knapp ein Drittel der Mongolen gelten als unterernährt. Weit verbreitet ist vor allem die Stoffwechselstörung Rachitis, die hauptsächlich durch Vitamin-D-Mangel hervorgerufen wird. Um Vitamin D im Körper bilden zu können, bedarf es ausreichender Sonneneinstrahlung, die den Mongolen in den sehr kalten und langen Wintern fehlt. Die folgen einer Rachitiserkrankung sind Verkrümmungen der Knochen. 32% der mongolischen Kinder zwischen 0 bis 5 Jahren leiden an diesen Verkrümmungen.
Mit knapp 1,6 Mio. km² und einer Bevölkerung von 2,6 Millionen Menschen, ist die Mongolei eines der am dünnsten besiedelten Länder der Welt. Die Bevölkerung setzt sich zusammen aus etwa 94% Mongolen, 4,3% Kasachen und 1,1% Tuwiner. Die vorherrschende Religion ist der Buddhistische Lamaismus, zu dem sich 50% der Bevölkerung bekennen. 40% sind religionslos und es gibt kleine christliche und muslimische Minderheiten.


