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Projektpartner | Papua-Neuguinea

Geschichte und Politik

Land of the unexpected

Papua-Neuguinea ist der drittgrößte Inselstaat der Welt. Nördlich von Australien im Pazifischen Ozean gelegen, besteht er aus dem östlichen Teil der Insel Neuguinea, der über 80% der Gesamtfläche des Landes ausmacht, sowie unzähligen kleinen Inselgruppen. Papua-Neuguinea zählt etwa 5,5 Mio. Einwohner. Offiziell leben knapp 300.000 von ihnen in der Landeshauptstadt Port Moresby, die als eine der gefährlichsten Städte der Welt gilt. Die Dunkelziffer der Bewohner der Elendsviertel an den Ausläufern der Stadt liegt um einiges höher.

PNG Land Die Vielfalt, für die Papua-Neuguinea berühmt ist, hat unzählige Facetten. Eine von ihnen wird ganz besonders in den abwechslungsreichen Landschaftsformen deutlich. Eine zentrale, etwa 200 km breite, zerklüftete Gebirgskette beheimatet mehrere Viertausender. Der höchste unter ihnen ist der Mt. Wilhelm mit 4.509 m. Steile Schluchten, reißende Flüsse und tobende Wasserfälle durchziehen Regenwälder, Mangrovensümpfe und Savannen. Breite Sandstrände und ihnen vorgelagerte Korallenriffe prägen die Küstenregion. Papua-Neuguinea liegt auf dem so genannten "Feuerring". Dieser Begriff bezeichnet einen Gürtel im Pazifischen Ozean, auf dem sich die Mehrzahl aller aktiven und ruhenden Vulkane der Welt befindet.


Die abgelegenen Bergregionen sind nur mit dem Boot oder per Flugzeug erreichbar, da das Straßennetz in den unzugänglichen Regionen kaum ausgebaut ist. Flüsse stellen die einzigen Verkehrswege dar. Mehr als 65% der Landesfläche ist von Regenwald bedeckt. Eine weitere Facette der Vielfalt Papua-Neuguineas ist die hohe Diversität der Flora und Fauna in den tropischen Urwäldern. Besonderes Merkmal hier sind die zahlreichen Arten von schillernden Paradiesvögeln, die die Menschen in Staunen versetzen. Die Einheimischen haben den Paradiesvogel zum Wappentier ihres Landes gemacht, er ziert nun die Flagge Papua-Neuguineas. Die Inselwelt ist außerdem Heimat von rund 3.000 Orchideenarten, das sind über zehn Prozent aller weltweit bekannten Arten, und damit mehr als in irgendeinem anderen Land der Welt zu finden sind.


Die „Insel der Kraushaarigen“

PNG Land Papua ist eine Sammelbezeichnung für die Ureinwohner Neuguineas. Schon vor 50.000 Jahren besiedelten die ersten Menschen die Insel. Im Laufe der Zeit entwickelte sich eine Vielzahl von Stämmen mit eigenen Sprachen und völlig unterschiedlichen Kulturen. Die Jagd auf Tiere war nicht sehr verbreitet, Pfeil und Bogen waren den Papua nicht bekannt. Sie ernährten und ernähren sich auch heute noch im Wesentlichen von den Erträgen ihrer Subsistenzwirtschaft. Die Papua waren die weltweit ersten Menschen, die Ackerbau und Schweinezucht betrieben. Den Namen Papua erhielten die Einwohner von einem Europäer, der die Insel für die westliche Welt entdeckte. Der portugiesische Seefahrer Jorge de Meneses landete Anfang des 16. Jahrhunderts durch Zufall an der nordöstlichen Küste der Insel und benannte seine Entdeckung nach der erstaunlichen Haarpracht der eingeborenen Bevölkerung „Ihla dos Papuas“ (Insel der Kraushaarigen). Ein paar Jahre später taufte ein Spanier, den die südliche Küste an das Guinea Westafrikas erinnerte, die Insel "Nueva Guinea".


Die Bevölkerung

Über 800 ethnische Gruppen mit fast ebenso vielen Sprachen schaffen einen kaum gekannten soziokulturellen Reichtum. Alte Traditionen treffen hier auf neue, moderne Lebensformen. So bekennen sich seit der Kolonialzeit knapp 66% der Papua zum Christentum, das jedoch in der Ausübung noch weitreichende Einflüsse der verschiedenen Naturreligionen erkennen lässt.

Die kulturellen Unterschiede zwischen den einzelnen Stämmen führen häufig zu Angriffen und Stammeskriegen. Die Regierung des Inselstaates bemüht sich sehr um mehr Integration und Nationalbewusstsein der einzelnen Gruppen. Sie organisiert große Veranstaltungen wie zum Beispiel das jährlich stattfindende Mt. Hagen Festival mit dem Ziel, die Vielzahl der ethnischen Gruppen zu einer gemeinsamen Nation zusammenzuführen.

Eine Schulpflicht besteht in Papua-Neuguinea nicht. Auch die staatlichen Schulen kosten Gebühren, die ein Großteil der Bevölkerung nicht aufbringen kann. Entsprechend hoch ist die Analphabetenrate, die unter Frauen bei knapp 50% und unter Männern bei 40% liegt.


Die vielen Sprachen der Inselwelt

PNG Land Etwa ein Viertel der weltweit gesprochenen Sprachen sind in Papua-Neuguinea zu finden. Der Inselstaat ist also auch linguistisch betrachtet eine der vielfältigsten Regionen der Erde. Unter den rund 5,5 Millionen Einwohnern werden, neben der offiziellen Landessprache Englisch, etwa 800 Sprachen gesprochen. Die einzelnen Stämme definieren sich hauptsächlich durch den Gebrauch derselben Sprache. Die beiden meist genutzten Sprachen Papua-Neuguineas sind Hiri Motu und die Kreolsprache Tok Pisin, die sich aus dem sogenannten Pidgin-Englisch entwickelt hat. Pidgin-Englisch ist eine im asiatischen Raum vorherrschende, sehr reduzierte und von unterschiedlichen Einflüssen geprägte Sprachform, die verschiedensprachigen Menschen zur Verständigung dient. In ihrer Weiterentwicklung erhält dieser Jargon einen umfassenderen Wortschatz sowie eigene grammatische Strukturen. Während der Kolonialzeit entwickelte sich unter dem Einfluss deutscher Machthaber auch eine deutsche Kreolsprache, das „Unserdeutsch“. Unserdeutsch ist eine der letzten deutschen Kolonialsprachen und man vermutet, dass es heute lediglich noch hundert aktive Sprecher gibt.


Wirtschaft

Die Wirtschaft in Papua-Neuguinea ist stark exportorientiert. Wichtigste Exportgüter sind vor allem Öl, Gas, Gold, Kupfer und weitere Bodenschätze. Dazu kommen landwirtschaftliche Produkte wie Tropenholz, Kaffee, Kakao, Kopra und auch Fisch. Trotz der reichhaltigen Bodenschätze des Landes behindern die geographischen Bedingungen und die mangelnde Infrastruktur die wirtschaftliche Entwicklung.

Tourismus ist in Papua-Neuguinea nicht sehr weit verbreitet. Der außergewöhnlichen Schönheit des Landes stehen die schlechte Infrastruktur, das verhältnismäßig hohe Preisniveau sowie eine hohe Kriminalitätsrate gegenüber.


Das traditionelle Muschelgeld

PNG Land Über 80% der Bevölkerung leben seit jeher von Subsistenzwirtschaft. Das traditionell wertvollste Gut der Papua ist das Schwein, das nur zu besonderen Anlässen geschlachtet und verspeist wird. Der Besitz von Geld spielte lange Zeit keine wesentliche Rolle. Alles, was die Menschen zum Leben brauchten, konnten sie ihrer Umwelt abgewinnen. Viel populärer waren der Tauschhandel und die Zahlung mit traditionellem Muschelgeld, einem der ältesten Zahlungsmittel der Welt. Das Muschelgeld, auch Tolai genannt, besteht aus aufwändig geschliffenen Muschelscheiben. Der Wert dieser Komplementärwährung wurde durch die künstlerische Herstellung und die damit verbundene knappe Verfügbarkeit natürlich reguliert. Auch heute noch praktizieren die Papua den Handel mit Muscheln. Viele Menschen in den abgelegenen Bergregionen trauen ihrer alten „Muschelwährung“ noch weitaus mehr, als dem Kina, der offiziellen Landeswährung Papua-Neuguineas. Im Jahr 2002 eröffnete die Regierung zur Unterstützung des Muschelgeldes als Zweitwährung, die weltweit erste Muschelbank: Die „Tolai Exchange Bank“ wechselt seitdem das traditionelle Muschelgeld in Kina. Der Umlauf der Muschelwährung wird auf eine Höhe von rund 8 Millionen Kina geschätzt (knapp 2,3 Mio. Euro).


Geschichte

PNG Land Anfang des 19. Jahrhunderts nahmen die Niederländer den Westen der Hauptinsel in Besitz, der heute als West-Papua zu Indonesien gehört. Wenig später teilten sich das Deutsche Reich und das Vereinigte Königreich den verbliebenen Ostteil der Insel untereinander auf. Der Süden und Port Moresby sind britisches Protektorat geworden, der Nordosten sowie die davor gelagerten Inseln wurden deutsche Kolonie. Anfang des 20. Jahrhunderts ist das britische Protektorat in australische Hand übergegangen. Kurz darauf besetzte Australien auch den Landesteil der deutschen Kolonie (Kaiser-Wilhelm-Land genannt) und erhielt später hierfür ein Treuhandmandat der Vereinten Nationen. 1949 vereinigte Australien die Territorien des Ostteils zu Papua-Neuguinea. Die Autonomiebestrebungen der 60er und 70er Jahre des 20. Jahrhunderts führten das Land schließlich in die Unabhängigkeit, die am 16. September 1975 proklamiert wurde.


Politik

Papua-Neuguinea ist eine konstitutionelle Monarchie. Staatsoberhaupt ist die britischen Königin Elizabeth II., vertreten durch den Generalgouverneur Papua-Neuguineas Michael Matane. Im Jahr 2007 wurde Michael Somare als Ministerpräsident gewählt, der das Amt des Premierministers bereits zweimal zuvor innehatte.

Das Aufeinandertreffen von Tradition und Moderne bringt im politischen Geschehen erhebliche Probleme mit sich. Korruption und der Konkurrenzkampf zwischen Politikern und den Anführern der verschiedenen Klans behindern die Entwicklung des Landes. Das dominierende Prinzip der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe zieht sich durch alle staatlichen und privaten Strukturen und erschwert demokratische politische Aktivitäten.


Der Bougainville-Konflikt

PNG Land Seit der Unabhängigkeit 1975 hat die Regierung Papua-Neuguineas mit Separatismus zu kämpfen. Immer wieder versuchen einzelne Teile des Landes, sich vom Inselstaat zu lösen und neue, autonome Staaten zu gründen. Um diesen Bestrebungen entgegenzuwirken, richtete die Landesregierung Provinzregierungen mit weitreichender Autonomie ein. Trotz dieser Maßnahme ist die Lage in Bougainville, einer geographisch dem Archipel der Salomonen zugehörige Insel, 1988 eskaliert. Einheimische Clans begannen, Widerstandsaktionen durchzuführen, um sich bei dem privaten Bergbauunternehmen und der an der Kupfermine beteiligten Regierung Papua-Neuguineas Gehör zu verschaffen. Die Panguna-Mine war seinerzeit eine der weltgrößten Kupferminen und erwirtschaftete einen Großteil des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Die dort ansässige Bevölkerung forderte eine Entschädigung für die durch exzessiven Bergbau entstandenen erheblichen Umweltschäden sowie eine Beteiligung an den Gewinnen des dortigen Kupferabbaus. Die Ablehnung dieser Forderungen provozierte die Formierung der organisierten Widerstandsbewegung „Bougainville Revolutionary Army (BRA)“. Mit dem Sprengen von Strommasten in weiten Gebieten des Regenwaldes wurde die Stromversorgung der Kupfermine immer wieder unterbrochen, Bergmänner sind überfallen und auch getötet worden, die Regierung sandte die Armee zum Eingreifen. Trotz des ungleichen Kampfes der modern ausgerüsteten Armee gegen kaum bewaffnete Widerständler konnten die Regierungstruppen nur wenig ausrichten. Die Situation eskalierte, die Sabotageakte wurden fortgeführt und die Betreibergesellschaft der Mine beschloss 1989 diese stillzulegen. Auch in den Jahren danach kam es immer wieder zu offenen Auseinandersetzungen, in deren Folge bis zu 2000 Menschen ihr Leben ließen. Um dieser Situation ein Ende zu bereiten, forderte der damalige Premierminister Chan ausländische Truppen zur Unterstützung an, was jedoch eine Welle von landesweiten Protesten auslöste und ihn schließlich zum Rücktritt zwang.

Der neue Premierminister Bill Skate leitete Friedensverhandlungen mit der Widerstandsbewegung ein, die in einen Waffenstillstand und schließlich in einen von Australien und Neuseeland vermittelten, vorläufigen Friedensvertrag mündeten. In dem endgültigen Abkommen von 2002 wurde Bougainville weitreichende Autonomie zugestanden und mit den ersten Parlamentswahlen und der Bildung einer eigenen Regierung ist Bougainville 2005 autonome Provinz geworden.


Umwelt

PNG Land Der infolge des Klimawandels steigende Meeresspiegel bedroht die Existenz tausender kleiner Inseln. Die Versalzung des Bodens und häufig überschwemmte Felder lassen die Ernten knapp werden. Auf der Insel Carteret brach im vergangenen Jahr durch den fast vollständigen Ausfall der Ernte eine Hungersnot aus. Die Einwohner sollen nun auf die Nachbarinsel Bougainville umgesiedelt werden. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Großteil der Inselwelt Ozeaniens in etwa 50 Jahren unter dem Meeresspiegel liegen wird. Die Zahl der Klimaflüchtlinge wird in den kommenden Jahren immer weiter ansteigen.

Umweltschützer kritisieren vor allem exzessiven Holzeinschlag und Bergbau. Die Rückstände der Bergbaubetriebe werden in die Flüsse oder das angrenzende Meer geleitet. Die Regenwälder sind durch den überwiegend illegalen Holzeinschlag essentiell bedroht. 60% des ursprünglichen Waldbestands sind bereits von ausländischen Holzeinschlagsfirmen vernichtet worden. Laut Verfassung gehören nur 3% des Regenwaldes dem Staat, wohingegen 97% Eigentum der indigenen Bevölkerung sind. Bis der Wert des Regenwaldholzes entdeckt wurde, sind diese Landrechte niemals infrage gestellt worden. Mit dem aufkeimenden Interesse der Holzfirmen sind auch viele Staatsmänner in das lukrative Geschäft des Holzhandels eingestiegen. Mit falschen Versprechungen seitens der Regierung gelockt, verkauften die Clans bisher insgesamt etwa 70% des indigenen Gebietes an Holzfirmen aus dem Ausland. Die Regierung beteuerte, Straßen und Schulen zu bauen, Strom zu verlegen und weitere Modernisierungen durchzuführen, die das Leben in den abgelegenen Provinzen erleichtern würden. Diese Versprechen sind nie eingelöst worden.


Gewalt im Alltag

Die große Vielfalt der Clans und ethnischen Gruppen in Papua-Neuguinea birgt ein hohes Konfliktpotential. Regierung und Justiz halten sich weitestgehend aus den Auseinandersetzungen der indigenen Bevölkerung heraus. Diese offen ausgetragenen und oftmals auch blutigen Konflikte gehören in Papua-Neuguinea zum täglichen Geschehen. Die grundlegenden Begriffe von Recht und Unrecht der Clans stimmen nicht mit denen des modernen Staates überein. Das Vertrauen in Polizei und Justiz ist minimal, weshalb diese Instanzen auch nur selten zur Klärung von Streitigkeiten herangezogen werden.

Auch familiäre Gewalt ist in Papua-Neuguinea keine Seltenheit. Vor allem Frauen sind hier die Leidtragenden. Viele unter ihnen nehmen körperliche Gewalt als unabänderlichen Bestandteil ihres täglichen Lebens hin. So gaben im Rahmen einer Studie beispielsweise 57% aller in ländlichen Regionen befragten Frauen an, dass Gewalt gegen Frauen in der Ehe zu akzeptieren sei. Vergewaltigungen und sexueller Missbrauch in den bekannten Formen sind an der Tagesordnung. Auch hier bedingen weitgehende Straffreiheit und fehlende Kontrollmechanismen eine kontinuierliche Verschärfung der Lage. Das Fehlen von Beratungseinrichtungen, Unterstützung und Begleitung der Opfer trägt zusätzlich dazu bei, dass Übergriffe verschwiegen werden und die Täter unbestraft davon kommen.


Aids

Die Raten der HIV-Infizierten in Papua-Neuguinea sind die Höchsten in der Pazifikregion. Die Zahl der Infizierungen stieg zwischen 1997 und 2005 um 30% auf rund 60.000 Menschen. Der Virus verbreitet sich im Wesentlichen in heterosexuellen Beziehungen aus, in einem Kontext von weit verbreiteter Gewalt gegen Frauen. Das geringe Bildungsniveau von großen Teilen der Bevölkerung und die immense kulturelle und Sprachenvielfalt des Landes erschweren jede Art der Aufklärung. Die gestiegene Mobilität der Menschen in Papua-Neuguinea führt zusätzlich zur raschen Ausbreitung der Krankheit von Provinz zu Provinz.

Für HIV-Infizierte und AIDS-Kranke in Papua-Neuguinea bedeuten Ansteckung und Krankheit nicht bloß Schwäche und Tod, sondern auch ein akut erhöhtes Sicherheitsrisiko. Ein offenes Bekennen zur Infektion kommt in vielen Fällen einem Todesurteil gleich. Nicht selten wird aus Aberglauben, Angst und Unkenntnis mit Gewalt auf infizierte Personen reagiert, auch wird die Infektion einfach komplett verheimlicht, um der Familie und dem Clan keine Schande zu bereiten.

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Wirtschaft und Soziales

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