Projektpartner in Pakistan
Landesinformationen:
Geschichte und Politik
Wirtschaft und Soziales
Partnerprojekte in Pakistan:
pk1 - Organic Food Growers
pk2 - Talon Sports
Geschichte und Politik
Die Islamische Republik Pakistan ist unterteilt in vier Provinzen und zwei Gebirgsgebiete ohne Provinzcharakter und Repräsentation im Norden des Landes. Dazu kommt die Region 'Azad Kaschmir' (Freies Kaschmir), wobei es sich um den auf der pakistanischen Seite der Waffenstillstandslinie zwischen Indien und Pakistan liegenden Teil Kaschmirs handelt. Gemeinsam zählen die Gebiete etwa 147 Millionen Einwohner. Die Hauptstadt des Landes ist Islamabad. Neben Englisch wird in Pakistan hauptsächlich Urdu als offizielle Landessprache gesprochen, dazu kommen einige regionale Sprachen der einzelnen Provinzen. Staatsreligion ist der Islam. Der Grundstein hierfür wurde im 8. Jh. mit der Islamisierung der gesamten Region gelegt. Daraus folgte dann Mitte des 20. Jh.s die Teilung des britisch besetzten Subkontinents in die Länder Indien und Pakistan. In der Verfassung des Landes werden Staat und Regierung dazu aufgefordert, die islamische Lebensführung zu ermöglichen und das Erlernen der grundlegenden Werte des Koran zu unterstützen. Ausgelegt worden ist diese Aufforderung von den verschiedenen Machthabern bisher sehr unterschiedlich. Es existieren heute noch immer diskriminierende Gesetze aus vergangenen Legislaturperioden. Das Militär spielt in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle. Seit der Staatsgründung im Unabhängigkeitsjahr 1947 hat das Militär im Land vier Mal die Macht übernommen. Zuletzt war es der derzeit amtierende Präsident General Musharraf, der 1999 als Armeechef mit einem Militärputsch die Regierungsgewalt an sich nimmt und im Jahr 2001 als Präsident bestätigt wird. Die frühen Jahre der Republik sind geprägt von ständigen Unruhen woraufhin sich 1971 Ostpakistan abspaltet und mit dem neuen Namen Bangladesh unabhängig wird. Bis zum Ende der 90er Jahre lösen sich verschiedene Regierungsparteien immer wieder ab, die Lage ist sehr instabil. Keine Regierung kann sich effektiv durchsetzen, somit fehlt eine klare Zielverfolgung für eine Zukunft der Bevölkerung Pakistans. General Musharraf beginnt nach seiner Machtergreifung 1999 ein umfassendes Reformprogramm, das der Wirtschaft wieder einen Aufschwung bringen soll, das den Verwaltungsapparat modernisieren und die katastrophale soziale Lage der Pakistani verbessern soll, ein Reformprogramm, das allgemein auf breiteren demokratischen Strukturen basiert. Seit der Teilung in das islamische Pakistan und das Hinduismus dominierte Indien kommt es durch den Kaschmir-Konflikt zu anhaltenden Grenzstreitigkeiten und Kriegen, da keines der beiden Länder die von der ehem. Sowjetunion auferlegte Waffenstillstandslinie als offizielle Grenze akzeptieren will. Gespräche von Musharraf im Jahr 2001 mit dem indischen Premierminister scheitern aufgrund der ungeklärten Kashmir-Frage. Im September desselben Jahres gibt der General den USA seine Zusicherung für die volle Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus, trotz großer Proteste der Talibananhänger im eigenen Land. Kurz darauf werden Verbote verschiedener radikal-islamistischer Gruppen erlassen. Nach außen hin zeigt sich Musharraf weltoffen und kommunikativ, innenpolitisch aber verlaufen die Parlamentswahlen nach Ansicht der EU-Wahlbeobachter sehr fraglich, außerdem wird eine Verfassungsänderung durchgesetzt, die dem Präsidenten weitreichende Vollmachen einräumt und Musharraf überlebt nur knapp zwei Anschläge auf seine Person im Jahr 2003. Spätestens seit dem Atom-Wettrüsten Indiens und Pakistans 1998 hat sich die Kashmir-Krise zu einem Pulverfass entwickelt und ist damit wieder in das Interesse der Öffentlichkeit gerückt. Am 13. Dezember 2001 eskaliert das indisch-pakistanische Verhältnis nach einem Anschlag auf das indische Parlament. Alle Beziehungen und sämtliche Verkehrswege werden abgebrochen und an beiden Seiten der Linie durch die Region Kashmir ziehen Truppen auf. Es kommt nicht zum Krieg, aber die prekäre Situation ändert sich nicht bis die indische Regierung Islamabad Ende 2003 einen 12-Punkte-Plan als Basis für Friedensgespräche vorlegt. Die darauf folgenden Treffen, u. a. auch auf der UN-Generalversammlung im September 2004, verlaufen positiv. Beide Seiten beteuern ihren Willen, den Friedensprozess voran zu treiben und im Kashmir-Konflikt eine Lösung zu finden.
In einer auf die Kargil-Region Kaschmirs begrenzten militärischen Auseinandersetzung mit Indien im Sommer 1999 erlitt Pakistan eine Niederlage. Daraufhin setzte General Pervez Musharraf am die gewählte Regierung Sharifs in einem Militärputsch ab und errichtete die vierte Militärdiktatur Pakistans. Seit 2001 hat er das Präsidentenamt inne, seit November 2007 bestreitet Musharraf seine zweite Amtszeit. Am 3. November 2007 erklärte General Musharraf den Ausnahmezustand und setzte die Verfassung außer Kraft. Im Vorfeld der Parlamentswahlen am 8. Januar 2008 hob General Musharraf den Ausnahmezustand am 15. Dezember wieder auf, allerdings nicht die Beschränkungen der Pressefreiheit. Überschattet wurden die Vorbereitungen der Wahlen durch den Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto am 27. Dezember 2007 in Rawalpindi.
Wirtschaft und Soziales
Im Fiskaljahr 2003/2004 konnte Pakistan ein unerwartet positives Wirtschaftswachstum von 6,4% verzeichnen, was zu einem großen Teil auf stark gestiegene Exportraten zurück zu führen ist. Die industrielle Produktion Pakistans liegt derzeit im Aufschwung. Die wichtigsten Wirtschaftssektoren sind neben dem landwirtschaftlichen und dem textilen Sektor auch die Nahrungsmittel-, die Metall- und die chemische Industrie. Auslandsverschuldung und Zinsbelastungen konnten deutlich reduziert werden, was zusammen mit ausländischen Großinvestitionen im Mobilfunk- und Bankenbereich zu einem besseren wirtschaftlichen Klima führt. Die wirtschaftliche Aktivität liegt zunehmend in privater Hand. Die Inflationsrate ist in der Periode 2003/2004 leicht auf 3,9% gestiegen. Der allgemein positive Trend macht sich im Land jedoch noch nicht spürbar bemerkbar, da er durch ein immer noch sehr hohes Bevölkerungswachstum wieder relativiert wird. In den vergangenen Jahren sind von der Regierung einige richtungsweisende Reformen in allen wichtigen Bereichen durchgesetzt worden. Betroffen hiervon sind sowohl Justiz und Polizeiwesen als auch der Verwaltungsapparat, Steuern, Privatisierungen und das Bildungswesen. Leider stehen der Umsetzung dieser Maßnahmen oft Korruption, eine generell geringe Rechtssicherheit und auch ein derzeit noch weithin verbesserungsbedürftiges Bildungswesen gegenüber. Pakistan hat außerdem gegen massive Umweltprobleme zu kämpfen. Kraftwerke verschmutzen Luft und Wasser in hohem Maße. Die Regierung hat ein ‚Gesetz zur Reduzierung’ verabschiedet, das für eine Eindämmung der entstehenden Umweltschäden sorgen soll. Verantwortlich für die Einhaltung dieses Gesetzes ist seit Kurzem ein neues Ministerium für Umweltschutz. Auch hier mangelt es derzeit noch an einer konsequenten Kontrolle und Durchführung. Die Bevölkerungsmehrheit Pakistans ist sehr arm und oftmals abhängig von Großgrundbesitzern. Eine bürgerliche Mittelschicht ist so gut wie nicht vorhanden. Zwischen Verfassung und Realität bestehen noch immer große Diskrepanzen. Dies gilt auch für weltpolitisch prekäre Themen wie Kinderarbeit, den Schutz der Menschenrechte und die Lage der Frauen. Frauen sind heute aufgrund der islamischen Gesetzgebung meist schlechter gestellt als Männer und haben im Allgemeinen einen sehr niedrigen Bildungsstand. In der Liste der weltweiten Alphabetisierungsraten belegt Pakistan im Jahr 2002 Platz 165 von 177 ausgewerteten Ländern. Neben Privatschulen für die etwas wohlhabendere Bevölkerungsschicht stehen der breiten Masse staatliche Schulen zur Verfügung, deren Unterrichtsniveau und –qualität jedoch durch starke Einflüsse des Islam einen deutlichen Gegensatz zu den privaten Einrichtungen bilden. In der Bildungspolitik konnten in der jüngeren Vergangenheit erste Maßnahmen umgesetzt werden, wozu u. a. eine verbesserte Lehrerausbildung und vermehrte Förderprogramme und Stipendien des Wirtschaftsministeriums für Hochschulen zählen. Ziel dessen ist das Ermöglichen einer Promotion im Ausland, um daraufhin im eigenen Land qualifiziertere Hochschuldozenten einsetzen zu können. Diese Ansätze müssen von der Regierung weiter verfolgt werden, da heute die finanzielle Mindestförderung für das Bildungswesen von lt. UNESCO 4,5% des BIP noch nicht erreicht ist.


