Unser Partner Mt. Hagen Handicraft Group
Mt. Hagen Handicraft Group (MHHG)
Hoch oben im Hochland der zentralen Gebirgskette Papua-Neuguineas in der Western Mountain Range Province liegt die Stadt Mt. Hagen. Sie ist Heimat der Frauenkooperative Mt. Hagen Handicraft Group. 2007 haben sich hier in Begleitung der Baptistischen Kirche 29 Frauen zusammengeschlossen, motiviert, an ihrer desolaten Situation etwas zu verändern.
Auch heute noch sind Frauen in Papua-Neuguinea sehr häufig Opfer körperlicher Gewalt. Armut, Drogen, Gewalt in der Familie, Prostitution, Vergewaltigungen und daraus resultierend eine stetig ansteigende Rate von HIV-Infizierungen und AIDS-Erkrankten bestimmen den Alltag vieler Frauen in dieser Provinz. Mangelnde Bildung erschwert der Mehrheit der Bevölkerung eine Verbesserung ihres Lebensstandards.
Auch die Mitglieder der Frauengruppe aus dem Umfeld der Baptistischen Kirche sind zum größten Teil ohne schulische oder berufliche Ausbildung. Somit bleibt für die meisten von ihnen nur die Herstellung traditionellen Kunsthandwerks mit Techniken, die sie in ihren Familien schon früh übermittelt bekamen. Bisher haben sie die von ihnen angefertigten Kunsthandwerksprodukte auf lokalen Märkten oder am Straßenrand verkauft. Die Gegend von Mt. Hagen ist unzugänglich und abgelegen, und nur wenige Touristen, die weitere Verdienstmöglichkeiten bieten würden, verirren sich dorthin. Somit ist der Einstieg in den Fairen Handel eine wichtige Chance, die sich den Frauen bietet.
Die ursprüngliche Gruppe besteht aus 29 Kunsthandwerkerinnen mit einer Altersspanne zwischen 20 und 60 Jahren. Sie, wie auch alle neu hinzu gekommenen Mitglieder, leben in ihrer unmittelbaren Umgebung, in ihren Familien und Dorfgemeinschaften, mit HIV-positiven und AIDS-kranken Menschen zusammen. In einer der neueren Produzentinnengruppen sind ausschließlich Frauen tätig, die selbst infiziert oder erkrankt sind. Gefördert von den Baptistischen Gemeinden Papua-Neuguineas haben die Kunsthandwerkerinnen Fortbildungen in effizienter Produktion, Qualität sowie Produktentwicklung erhalten. So geschult ist es den Frauen nun ebenfalls möglich, ihre Kenntnisse an andere Gruppen, die ein Interesse an der Mitarbeit im Projekt bekundet haben, weiterzugeben. Einige der Produzentinnen sind auch in Buchhaltung, der Nutzung von Computern und der Führung von Micro-Unternehmen unterrichtet worden, während wieder andere Kurse im Lesen und Schreiben erhalten haben.
Fünf Frauengruppen arbeiten heute für die Mt. Hagen Handicraft Group. Sie alle bringen unterschiedliche Fähigkeiten mit ein und produzieren verschiedene traditionelle Kunsthandwerksartikel. Eine Einkommensquelle zusätzlich zur Subsistenzwirtschaft sichert den Mitgliedern einen Lebensstandard, der über das Allernotwendigste hinausgeht. Auch die steigenden Schulgebühren, die für viele Familien eine große Hürde darstellen, können somit finanziert werden. Die Strukturen des Zusammenschlusses MHHG sind basisdemokratisch. Alle Mitglieder haben das Recht zu wählen und essentielle Entscheidungen werden von allen Frauen gemeinsam getroffen. Eine Vorsitzende und eine Schatzmeisterin stehen zur Wahl, eine weitere Frau ist für das Marketing zuständig. Fünf der Produzentinnen mit dem entsprechenden angelernten Fachwissen sind für die Qualitätssicherung verantwortlich. Sie überprüfen die abgelieferten Produkte und besprechen eventuelle Mängel und Verbesserungsvorschläge direkt mit der Herstellerin.
Die Gruppe hat gemeinsam beschlossen, 50% des Preises eines verkauften Produktes an die Produzentin weiterzuleiten, 25% tragen dazu bei, die administrativen Kosten zu decken und weitere 25% kommen auf ein der Gruppe eigenes Sparbuch. Die administrativen Kosten entstehen für kontinuierliche Weiterbildungen, für den Einkauf des Rohmaterials sowie für andere benötigte Materialien. Alle die Gruppe begleitenden Aktivitäten wie Marketing, Buchhaltung, Qualitätskontrolle und Versand werden derzeit ehrenamtlich geleistet. Ziel Mt. Hagens ist es, zukünftig einige bezahlte Teilzeitangestellte finanzieren zu können. Die Kunsthandwerkerinnen wünschen sich außerdem die Einrichtung eines eigenen Ladens sowie eine Präsenz im Internet.
Bilums
Wichtigstes Produkt der Mt. Hagen Handicraft Group sind landestypische Netztaschen, Bilum genannt. Bilums werden in Papua-Neuguinea für alle Wege des Alltags benutzt: Schulbücher werden darin ebenso transportiert wie der Lebensmitteleinkauf, und Mütter tragen sogar ihre Babys darin spazieren! Traditionell werden die zum Knüpfen verwendeten Schnüre aus der inneren Rinde des wilden Tulpenbaums (Liriodendron tulipifera) hergestellt. Die Rinde des Tulpenbaumes wird bis zu 8 Monaten in einem Fluss eingeweicht, bis nur noch die einzelnen Rindenfasern übrig geblieben sind. Nach dem Trocknen werden die einzelnen Fasern getrennt. Mit der flachen Handinnenfläche rollen die Produzentinnen die Fasern auf ihren Oberschenkeln zu Strängen, die anschließend für die Bilumproduktion verwendet werden können. Für das natürliche Färben der Fasern gibt es verschiedene Methoden. Weiße Fasern erhält man durch das Reiben der Fasern an einem weißen Stein. Auch Schlamm, andere Steine, zerstoßene Muscheln, Wurzeln und Gräser geben ihre Farbe an die Rindenfasern ab. Heute produzieren Frauen Bilums häufig aus gekauftem und vorgefärbtem Band aus Baumwolle, oder aus Acryl. Wenn auch das Material variieren kann, die Herstellungsmethode ist immer dieselbe.
Auf den Straßen Papua-Neuguineas sind heutzutage viele aus grellen neonfarbenen Kunststoffbändern gefertigte Exemplare zu sehen. Doch nicht nur die Farben der Tasche, sondern auch die eingearbeiteten Muster haben in vielen Fällen eine spezielle Bedeutung. Diese kann recht unterschiedlich sein, beispielsweise die Zugehörigkeit zu einem Clan oder einer bestimmten Dorfgemeinschaft ausdrücken. Manchmal sind es jedoch auch einfach modische Varianten der Bilums, deren Muster keine besondere Aussage haben.
Für EL PUENTE stellen die Kunsthandwerkerinnen der Mt. Hagen Handicraft Group Bilums aus Baumwolle her. Diese Bilumvariante ist viel weicher und flexibler als die aus den Fasern des Tulpenbaums gefertigten, die robust sind und mitunter einen sehr hohen Härtegrad aufweisen. Die Frauen fertigen die Taschen in Heimarbeit. Dies ist für sie ein großer Vorteil, da es ihnen so möglich ist, Arbeit und Familie organisatorisch zu kombinieren. Die Produktpalette der Gruppe hat sich bis heute bereits erweitert. Zusätzlich zu den Bilums bietet die MHHG auch Handytaschen und Geldbeutel, Schlüsselanhänger und Armreifen an!
(Land: Papua-Neuguinea, Projektcode: pg1)


