SIPA
SIPA - Palmzucker und Kunsthandwerk aus Indien
SIPA (Federation of South India Producer Associationsist) ist eine gemeinsame Initiative von Produzentenorganisationen, Kooperativen und Aktionsgruppen aus dem Süden Indiens. Zur Gründung des Zusammenschlusses kam es 1985 anlässlich eines Seminars, zu dem die alternative Handelsorganisation OXFAM angeregt hatte, um die Zusammenarbeit und damit die Marktchancen der dortigen ProduzentInnen zu verbessern. Mittlerweile unterstützt SIPA 65 Mitgliedsorganisationen, also über 4000 Handwerksfamilien, bei der Vermarktung, Ausbildung, Produktentwicklung und in sozioökonomischen Angelegenheiten. Zu dem umfassenden Programm gehören: Design-Workshops; Produktentwicklungsseminare, zugeschnitten auf Non-Profit-Organisationen (etwa für die Arbeit mit Behinderten); Schulungen im organisatorischen Bereich; Forschungs- und Dokumentationsarbeit; die Organisation von Verkaufsausstellungen. Für diese Ausstellungen in verschiedenen Großstädten Indiens nutzt SIPA ein großzügiges Regierungsprogramm, um ländliches Handwerk bekannt und der städtischen Mittelschicht zugänglich zu machen. Die Exportaktivitäten werden finanziert über einen Preisaufschlag von 20%, zudem zahlt die indische Handwerksförderung eine Prämie für den Export verarbeiteter Produkte. Die Hälfte dieser Prämie gibt SIPA an die Produzentengruppen weiter mit der Anregung, von dem Geld einen Fonds für soziale Belange einzurichten. Oberstes Gremium für die Politik und Leitlinien von SIPA ist die Vollversammlung mit VertreterInnen aller Mitgliedsgruppen, die viermal im Jahr in Madras zusammenkommt. Die alltäglichen Organisationsaufgaben erledigt ein zehnköpfiges Team, unterstützt von einigen BeraterInnen. Probleme bei der Verwaltung ergeben sich häufig aus der mangelnden technischen Ausrüstung.
Die Struktur der Mitgliedsgruppen ist sehr unterschiedlich und reicht von kleinen Werkstätten mit einem Dutzend Frauen über größere Kooperativen bis hin zum Ashram; Projekte für Behinderte sind ebenso dabei wie eine Lepra-Kolonie. Daß SIPA für seine Mitgliedern mehr als eine Exportorganisation ist, zeigt die Tatsache, daß sich auch Projekte mit eigenen, funktionierenden Handelsbeziehungen der Association angeschlossen haben.
Mitgliedsgruppen
Reaching The Unreached (RTU)
Seit ca. 15 Jahren fördert und betreut RTU in den Dörfern um Madurai vor allem zwei sozial unterprivilegierte Gruppen: Kinder und Behinderte. Als Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekt steht die Selbstorganisation der Mitglieder im Vordergrund; insgesamt kann RTU als regionales Entwicklungszentrum für Wohnungsbau, Landwirtschaft, Wasserversorgung, Ausbildung und Gesundheit angesehen werden. Die Leitung hat ein fachlich qualifiziertes Komitee mit einem britischen Pastor an der Spitze, für jeden einzelnen Bereich gibt es weitere Ausschüsse. Hergestellt werden hauptsächlich textile Produkte: Frauen weben Frotteetücher, Tischwäsche, Bettüberwürfe etc., Behinderte fertigen Batiken an. Da der Handwerksbereich finanziell abgekoppelt ist, können anfallende Gewinne an die Beschäftigten ausgezahlt werden, selbst wenn das gesamte Projekt RTU Finanzierungsprobleme hat.
Bethany Colony Leprosy Association
Die Bethany Colony Leprosy Association entstand 1966 als Initiative einiger Leprakranker. Um die gesundheitliche Betreuung zu garantieren und Arbeitsmöglichkeiten zu schaffen, wurden in den Folgejahren außenstehende Personen dazugeholt. So auch die Krankenschwester Jacky Boney, die sich als administrative Leiterin u.a. um ausländische Zuschüsse bemüht. Insgesamt 220 Frauen und deren Familien sind NutznießerInnen des Projektes, das im Produktionsbereich auf Webwaren spezialisiert ist. In einem nächsten Schritt soll jetzt versucht werden, auch Männer für die unterschiedlichen Arbeitsbereiche zu gewinnen. Das ist nicht so einfach, denn die Männer vergleichen den Arbeitslohn von 700 Rupien mit ihren Einkünften als (sehr gut organisierte) Bettler. So gleicht der Mann, der nach einigen Wochen Tour als Bettler wieder nach Hause zurückkommt, von seiner Frau ersteinmal gewaschen und gepflegt wird, denn auch eher einem Saisonarbeiter, der sein hart verdientes Geld nach Hause bringt. Der Rat von Bethany hat sieben Jahre dafür gekämft, Land zu bekommen, um Häuser bauen zu können. Land gab es schließlich, Häuser jedoch nur für die Hälfte der Leute; denn nach der neuen Gesetzgebung in Indien werden die unteren Kasten in solchen Fällen bevorzugt. Die eigentlich gute Regelung macht in diesem Fall wenig Sinn, denn die wirtschaftliche Situation Leprakranker ist im Allgemeinen gleich schlecht, egal, welcher Kaste sie angehören. Daß sie es schließlich doch noch erreichten, für alle Mitglieder Land und Wohnungen zu bekommen, zeugt - kennt man die indischen Behörden - von einem gutem Durchhaltevermögen und Organisierungsgrad.
Timely Aiding Society
Ein weiteres SIPA-Mitglied ist die Timely Aiding Society, die seit über einem Jahrzehnt mit besonders benachteiligten Frauen aus dem Armenviertel von Pondicherry arbeitet. Sie ist vergleichsweise klein mit ihren 12 Mitgliedern, die jedoch Dank einer konstanten Auftragslage ein stabiles und kontinuierliches Einkommen haben. Die Frauen verarbeiten handgewebte Stoffe einer außerhalb der Stadt arbeitenden Behindertenfamilie mit sehr viel Geschick und Farbempfinden. In Südindien gehört schon in der Schule - sofern man die Möglichkeit hat, sie zu besuchen - Unterricht in Schneidern, Textilverarbeitung und Farbkomposition zum Lehrplan. Diese Grundlagen werden bei TAS durch eine dreimonatige Ausbildung vertieft, während der die Frauen auch schon ein kleines Gehalt bekommen.
Sri Aurobindo Ashram
Ebenfalls in Pondicherry befindet sich die Papierfabrik des Sri Aurobindo Ashrams, Matagiri Handmade Papers, die handgeschöpftes Papier herestellt. Ungefähr 120 Personen arbeiten hier, von der Aufbereitung der Rohstoffe bis zum Bedrucken des Papiers sind alle Tätigkeiten Handarbeit. Das Papier, das zur Hälfte auf den einheimischen Markt, zur Hälfte in den Export geht, wird ohne chemische Zusätze und Bleichung hergestellt. Die Qualität ergibt sich aus der einzigartigen Kombination der Rohstoffe: Baumwollabfälle aus den grossen Fabriken, Reste von Jutesäcken, Meeresalgen und Teesatz, der von der Verköstigung der Belegschaft übrig bleibt. Altpapier wird nicht verwendet, da die Faserqualität für das aufgearbeitete Papier zu schlecht wäre. Gefärbt wird mit natürlichen Pigmenten, gewonnen aus Pflanzen und Mineralien. Interessante Einblicke vermittelt der Schauraum des Ashrams, in dem auf großen Tischen die Produkte präsentiert sind, die in die unterschiedlichen Teile der Welt gelangen. Hier kann man sehen, wie verschieden die Geschmäcker der Nationen sind: Von pastellgetönt bis knallbunt, von bildhaft bis dezent gemustert - ob Japan, Kanda, die Niederlande oder Großbritannien, alle haben sie ihren speziellen Vorlieben und Wünsche, denen die Papierfabrik Rechnung trägt.
Inner Reflection
Inner Reflection ist unser Lieferant von Kerzen, Räucherstäbchen, -hütchen und ätherischen Ölen. Die Produzentengruppe hat ihr Büro und mehrere Produktionsstätten in Pondicherry und vermarktet ihre Produkte fast ausschließlich über SIPA, ein kleiner Anteil auch auf dem lokalen Markt. Derzeit arbeiten 38 Festangestellte für Inner Reflection sowie 23 zusätzliche Produzenten, die nach Stückzahl bzw. Gewicht (Räucherstäbchen) bezahlt werden. Letztere sind Tsunami-Opfer, die in einem Vorort von Pondicherry am indischen Ozean leben. Ihre Einbeziehung wurde vor allem durch den steigenden Umsatz an Räucherstäbchen und –hütchen möglich. EL PUENTE gehört hier zu den beiden wichtigsten Kunden. So konnte nun im Wohngebiet der Tsunami-Opfer ein neues Produktionsgebäude eingerichtet werden. Es handelt sich um ein Verteilzentrum, in dem die Frauen die Rohstoffe für die Herstellung der Räucherstäbchen erhalten. Diese fertigen sie in Heimarbeit und liefern die fertige Ware anschließend ab.
Die Räucherstäbchen
Die Räucherstäbchen unseres Partners SIPA werden ausschließlich mit natürlichen Materialien hergestellt. Die Produzenten rollen Bambusstöckchen in einer Paste, einer Mischung aus Wasser mit verschiedenen gemahlenen Wurzeln und Rinden. Anschließend legen sie die Räucherstäbchen zum Trocknen in die Sonne. Zur Erzeugung der verschiedenen Duftnoten werden die Räucherstäbchen nach dem Trocknen in ätherische Öle getaucht.
Im neuen Verteilzentrum arbeiten zwei festangestellte Mitarbeiterinnen von Inner Reflection, die die Frauen dieses Wohngebietes betreuen, die Endfertigung (Aromatisierung) der Räucherstäbchen und –hütchen sowie auch die Verpackung vornehmen.
Im zentralen Gebäude von Inner Reflection befinden sich das Büro, der Versand und die Siebdruckerei, in der beispielsweise die Verpackungen für unsere Räucherstäbchen gedruckt werden.
In der Kerzenproduktion fertigen vier Frauen Kerzen in Handarbeit. Die Kerzen werden gegossen und in Form gebracht. Die abschließenden Verzierungen mit gepressten Pflanzen sowie das Verpacken findet im Nachbargebäude statt. Auch hier arbeiten mehrere Frauen, darunter einige taubstumme.
Ätherische Öle
Ätherische Öle sind Pflanzenextrakte, die je nach Herkunftspflanze zumeist ein starker charakteristischer Geruch auszeichnet. Ätherische Öle verdampfen vollständig und sind fettlöslich, schwimmen im Wasser jedoch als einzelne Tropfen auf der Oberfläche. Die ätherischen Duftöle von EL PUENTE stammen von unserem Partner SIPA aus Indien. Hier haben unsere Produzenten verschiedene Pflanzenextrakte zu besonderen Düften kombiniert, die auf unterschiedliche Weise belebend oder beruhigend wirken. Ein exotisches Sinneserlebnis aus Indien!
CREST
11 Selbsthilfegruppen, deren Mitglieder fast ausschließlich Frauen sind, produzieren den Palmkandis von EL PUENTE. Die Produktionsperiode ist zwischen Juli und September. Die Jahreskapazität beträgt 20 t. Neben dem Export für EL PUENTE verkaufen die Gruppen auch am lokalen Markt.
Die Kristallisation des Zuckers findet in einem rechteckigen Aluminium-Tank statt, der 200 bis 400 Liter fasst. Oben sind horizontal Holzstäbe angebracht, an denen die Baumwollfäden senkrecht nach unten in den Tank hängen, ohne den Boden zu berühren. Der Tank wird mit dem vorbereiteten Zuckersirup vollständig gefüllt und mit einem Deckel verschlossen. So verbleiben die Tanks etwa 40 Tage lang. Während dieser Zeit bilden sich die Zuckerkristalle (Kandis) traubenförmig um die Baumwollfäden. Nach 40 Tagen werden die Stäbe herausgenommen und in einen weiteren Tank gegeben. Durch das Übergießen mit frischem Wasser trennen sich die Kristalle voneinander und werden anschließend an der Sonne getrocknet.
In der Produktion des Kandis ist es unvermeidbar, dass ein Teil des Endproduktes noch Baumwollfäden enthält. Die für den Export vorbereitete Ware wird sorgfältig sortiert, um dies zu vermeiden. Trotz aller Vorsicht sind kleine Fädenreste im Kandis also leider nicht ganz auszuschließen.
Gipsy Beads
Gipsy Beads ist eine Produzentinnengruppe von 30 Frauen aus Chennai, die bereits seit vielen Jahren mit unserem Partner SIPA zusammenarbeitet. Die Frauen gehören einer ethnischen Minderheit mit dem Namen Vagiri an, die früher als fahrendes Volk durch das Land reiste. Als die Vagiri sesshaft wurden, hat ihnen die Regierung Häuser zur Verfügung gestellt. In den ersten Jahren fertigte die Gruppe hauptsächlich Glasperlenschmuck, stieg dann aber auf die Produktion von Holzschmuck um.
PPA-Kommentar
SIPA ist ein demokratisch aufgebauter Zusammenschluß von ProduzentInnengruppen und v.a. für kleinere Projekte bei der Exportabwicklung unverzichtbar. Die Tatsache, daß auch größere Projekte mit z.T. stabilen Handelsbeziehungen zu westeuropäischen alternativen Handelsorganisationen bei SIPA Mitglied sind, deutet darauf hin, daß sie Hoffnungen in SIPA auch auf politischem Gebiet, bei der Vernetzung der KunsthandwerkerInnen im südlichen Indien, setzen.
(Land: Indien, Projektcode: in2)


