Ein magischer Ort: In der Sierra Nevada wird unser Colombian Specialty angebaut

Georgi Djalev

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Seine Weltreise führte den freien Journalisten Georgi Djalev zur Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien. An diesem nahezu magischen Ort lernte er die Kaffee-Kooperative Red Ecolsierra kennen. Die Arbeit der Kleinbäuer*innen weckte in ihm eine große Leidenschaft für Kaffee. Uns berichtet er von seinem Leben und Arbeiten in den Bergen der Sierra Nevada.

Als ich zum ersten Mal die Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta, Kolumbien, in dem hellen äquatorialen Morgenlicht sah, war ich von ihrer Majestät überwältigt. Vor ihr erstreckte sich das karibische Meer. An ihrem Fuße lag die malerische Küstenstadt Santa Marta. Ihre üppig bewaldeten Abhänge breiteten sich scheinbar endlos in die Höhe. Erst irgendwo dahinten, in der Ferne, konnte man die leuchtenden Schneekrönchen der Gipfel, die fast 6.000 Meter erreichten, erkennen.

Von den Kaffeeplantagen auf der Bergkette Sierra Nevada de Santa Marta in Kolumbien kann man das Karibische Meer sehen.
Georgi Djalev und seine Verlobte während der Weltreise

Meine Verlobte und ich waren damals, Oktober 2018, auf einer 14-monatigen Weltreise und hatten gerade das Karibische Meer mit einem Segelschiff überquert. Durch Zufall hat uns eine gute Freundin von der Kaffee Kooperative Red Ecolsierra in Santa Marta erzählt. Da wir riesige Kaffee-Fans sind (besonders von richtig gutem Flat – einer Cappuccino-ähnlichen Kaffeekreation mit doppeltem Espresso und aufgeschäumter Milch), machten wir uns auf den Weg dahin.

Das spannende Projekt

Und hier waren wir. Es war 9 Uhr morgens und wir standen erwartungsvoll in unserer Weltreiseuniform – T-Shirt, kurze Hosen, Sonnenhut, riesiger Wanderrucksack, und erschöpftes aber glückliches Lächeln – vor dem Büro der Kooperative. Víctor Cordero - Geschäftsführer der Kooperative und selbst Kaffeeproduzent - empfing uns mit offenen Armen. Innerhalb kürzester Zeit erklärte er uns die theoretischen Grundlagen der Kaffeeproduktion, stellte uns der ganzen Belegschaft vor, und überlegte sich ein Projekt für uns. Wir waren sofort überzeugt und nahmen sein Angebot an, für einen Monat bei der Red Ecolsierra zu bleiben. "Unser Netzwerk der Bioproduzent*innen in der Sierra Nevada de Santa Marta (abgekürzt auf spanisch als Red Ecolsierra) ist ein Fairtrade-zertifizierter Zusammenschluss von ca. 400 Bauernfamilien in sieben Regionen der Bergkette. Er hat das Ziel, Fachwissen zu verbreiten, die Kaffeequalität zu steigern, und die Vermarktung des geernteten Produkts zu ermöglichen." Als ich das hörte, dachte ich mir: „Klingt interessant, aber wie kann ich mir das in Wirklichkeit vorstellen?“ Genau das sollte der Kern unseres Projekts werden – diese unpersönlichen Fakten mit Leben zu füllen.

Ein milder, hochwertiger Kaffee

Ich verbrachte viel Zeit oben in den Bergen, umgeben von Kaffeeplantagen und stellte fest, dass ich viel weniger über Kaffee wusste, als ich dachte. Zum Beispiel war ich überrascht, dass die Kaffeepflanze ein Baum und kein Busch ist. Schon damals wurde mir klar – die nächsten Wochen würden spannend, anstrengend, und lehrreich für mich sein. Die Mitglieder der Kooperative, bei denen ich meinen Kaffeeeinsatz absolvieren durfte, erlaubten mir einen tiefen Einblick in ihren Kaffeealltag.

Die Kaffeekirschen wechseln ihre Farbe innerhalb von Tagen von grün zu lila, dürfen aber nur gepflückt werden, wenn sie rot sind.

Zufällig hatte ich genau die richtige Jahreszeit erwischt, da die Kaffeeernte gerade in vollem Gange war. Ich half bei dem Pflücken, Fermentieren, Waschen, Trocknen und Transportieren des Kaffees. Abends, umgeben von entspannenden Geräuschen des tropischen Urwaldes, hatten wir Zeit zu reden. Ich erfuhr dabei, dass die Kooperative Red Ecolsierra nicht nur ihre Mitglieder finanziell und organisatorisch unterstützt, sondern auch politisch und sozial. So hatte sie während des Bürgerkriegs ihren Mitgliedern geholfen, ihre enteigneten Grundstücke zurück zu gewinnen. Diese Anbauflächen wurden jahrelang als Drogenplantagen ökologisch ausgebeutet und erst mit Hilfe der Kooperative wieder in biozertifizierte Kaffeeanbauflächen umgewandelt. Dafür hat die Red Ecolsierra den nationalen Preis „Frieden unternehmen“ in 2017 gewonnen. Eine weitere ungewöhnliche Leistung ist die Ausbildung der Kinder der Kaffeeanbauer zu Kaffeeproduzenten. Wenige Jugendliche stellen sich das Leben hoch in den Bergen vielversprechend vor. Die Red Ecolsierra will ihre Perspektiven verbessern.

100% made in Colombia
Unser neuer Kaffee, der Colombian Specialty ist nicht nur bio und fair, sondern auch komplett in Kolumbien von der Kooperative Red Ecolsierra hergestellt: Vom Anbau, über die Röstung bis hin zur Verpackung. Damit ist er ein Kaffee mit voller Wertschöpfung im Herkunftsland – eben 100 % made in Colombia!

Colombian Specialty
Der Autor Georgi Djalev und seine Verlobte während ihrer Weltreise auf dem Weg nach Kolumbien.

Während meiner Zeit in Santa Marta durfte ich natürlich auch sehr viel hervorragenden Kaffee trinken. Der Kaffee aus der Sierra Nevada ist mild, mit betontem Fruchtgeschmack, und einer Honignote, die bei schonendem Rösten besonders hervorsticht. Die Kooperative selbst röstet Kaffee auf höchst professionellem Niveau (mit einer nagelneuen Probat Röstmaschine). Das macht auch Sinn, denn die Produzent*innen kennen ihren Kaffee am allerbesten. Sie müssen nicht eine Vielzahl von Röstprofilen erstellen, sondern konzentrieren sich auf das perfektionieren von diesem einen Profil – für gewaschenen Hochlandkaffee von der Küste Kolumbiens.

Die Geschichte geht weiter

Wenn man mir vor der Zeit, die ich in Kolumbien mit Red Ecolsierra verbrachte, gesagt hätte, dass sich mein Leben dadurch ändern wird, hätte ich es nicht geglaubt. Aber genau das ist passiert. Nach vier Wochen mit den wunderbarsten Menschen, die ich auf unserer Weltreise treffen durfte, und mit dem besten Kaffee, den ich je getrunken hatte, wurde mir klar, dass ich mich auch professionell mit Kaffee, der Verbesserung der Fairness der Handelskette, und Südamerika beschäftigen will.

Woran ich oft denke, ist, dass der biologische Anbau und der Faire Handel einen echten Unterschied für die Kaffeeanbauer im Ursprungsland machen. Nicht nur aus finanziellen Gründen, sondern weil sich die Mitglieder der Kooperative durch diese Anerkennung beflügelt fühlen, ihre Heimat und die Plantagen zu schützen. Sie zeigten echte, unverfälschte Liebe für das Produkt und für ihre Community, in jedem Schritt der Produktionskette. Ich hatte oft das Gefühl, dies auch in dem Kaffee zu schmecken, den ich während meiner Zeit in Santa Marta getrunken habe.

Der Autor

Georgi Djalev ist ein freiberuflicher Journalist, der über Kaffee schreibt (z.B. für Roast Magazine und Perfect Daily Grind). Er ist auch Gründer des Kaffee Start-ups Caventura in Berlin, das innovative Kaffeeprodukte anbietet – z.B. grüne Kaffeebohnen und Röstgeräte für Heimröster.

Autor und Kaffeeexperte Georgi Djalev

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