Was macht fairen Kaffee fair?

Nina Labode

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Kaffee aus Fairem Handel

Was macht ihn besonders?

Als Fair-Händler arbeiten wir nach den 10 Grundsätzen des Fairen Handels der World Fair Trade Organization (WFTO) und werden auf deren Einhaltung regelmäßig überprüft. Die folgenden  Kriterien sind für uns im Kaffeehandel besonders wichtig. Sie markieren die vielfach großen Unterschiede zu konventionellem Kaffeehandel:

Langfristige Handelspartnerschaften

Wir streben wir immer langfristige Handelspartnerschaften an. Das schafft Vertrauen und ermöglicht unseren Handelspartnern eine größere Planungssicherheit.

Kooperativen und WFTO-geprüfte Familienbetriebe

Unseren Kaffee beziehen wir ausschließlich von Kooperativen oder WFTO-geprüften Familienbetrieben.

Verträge mit Spielraum

Die Kaffee-Verträge werden schon etwa ein Jahr im Voraus geschlossen: Erntezeitraum, Verschiffungsmonat, Menge und der Zeitpunkt der Preisfixierung werden besprochen. Auch der Mindestpreis und die Fairhandels- sowie Kooperativen-Prämie werden hier bereits festgehalten.

Vorfinanzierung

Wir gewährleisten unseren Handelspartnern auf Anfrage eine zinsfreie Vorfinanzierung von bis zu 100 %. In der Regel nehmen die Handelspartner eine Vorfinanzierung von 50 % in Anspruch und erhalten die zweite Hälfte des Betrags nach Lieferung der Ware. So können die Partner Investitionen tätigen, ohne dafür Zinsen zahlen zu müssen.

Kaffee-Preis im Fairen Handel

Die Preisfixierung ist komplex: Wir bietet immer einen weiten Zeitraum zur Preisermittlung an, um Schwankungen an der Börse abzufedern. Am liebsten ist es uns, den Preis im Erntezeitraum mit dem Partner festzulegen. Das ist der Zeitraum, in dem die Kooperative ihren Mitgliedern den Kaffee abkauft. Dann kennen sie die genauen Preise, die sie an die Bäuer*innen bezahlen. Sie kennen ihre aktuellen Erntemengen und die Kaffee-Qualität.

Mindestpreis und Qualitätszuschlag

Gemeinsam mit unserem Handelspartner einigen wir uns dann auf einen Preis. Der besteht aus dem Mindestpreis und einem Länder- und Qualitätszuschlag, denn bestimmte Regionen, Höhenlagen oder Sorten werden wegen ihrer Qualität besonders gewertet.

Der Vorteil: Unabhängig davon, wie tief der Börsenpreis sinkt, wird ein Mindestpreis gezahlt. Das ist ein wichtiges Sicherheitsnetz für die Bäuer*innen. Wir zahlen einen Mindestpreis von 1,60$/ pro Libra (lb) Rohkaffee (454 g), der damit 0,20$/lb über dem FLO-Mindestpreis liegt. Liegt der Kaffeepreis über dem Mindestpreis von 1,60$/lb, wird selbstverständlich der höhere Preis gezahlt.

Fairhandels-, Kooperativen- und Bio-Prämie

Die Prämien kommen noch hinzu. Bei zertifiziertem Bio-Kaffee zahlen wir eine Bio-Prämie von 0,30$/lb. Hinzu kommen die Fairhandels-Prämie von 0,20$/lb und unsere Kooperativen-Prämie von 0,05$/lb. Über die Verwendung dieser beiden Prämien entscheiden die Kooperativen bzw. die Familienbetriebe selbst. Die Fairhandels-Prämie wird beispielsweise für interne Weiterbildungen, Mikrokredite oder Unterstützung bei Infrastrukturprojekte wie Straßenbau eingesetzt. Die Kooperativen-Prämie ist eine besondere Leistung von uns, die nicht alle Fair-Händler zahlen. Die Gelder können beispielsweise für eigene Verarbeitungsanlagen verwendet werden oder sie decken die laufenden Kosten für Dokumente und Gehälter. Grundidee ist, dass die Kooperativen langfristig Kapital aufbauen, um unabhängig zu werden. So sollen ihre gemeinschaftlichen Strukturen gestärkt werden.

Mit einem Maultiert werden die Kaffeekirschen zur Weiterverarbeitung transportiert.

Unterstützung über einen fairen Preis hinaus

Unsere Handelspartner haben die Möglichkeit jederzeit Anträge an unseren Entwicklungsfonds stellen, um größere Projekte mit unserer Unterstützung anzugehen. So haben wir bei der Kaffee-Kooperative KOPAKAMA in Ruanda eine Umstellung auf biologischen Kaffeeanbau finanziell unterstützt.

Anbau, Verarbeitung und Qualität

Natürlich steht unser Kaffee auch für hervorragende Kaffee-Qualität. Die Kaffeebäuer*innen pflegen ihre Kaffeepflanzen mit Sorgfalt. Die Sträucher werden in Mischkulturen gepflanzt und bei Bio-Anbau mit ökologischem Dünger gepflegt. Zur Erntezeit werden die Kaffeekirschen selektiv von Hand geerntet. Das heißt, dass die Kaffeebäuer*innen mehrfach durch ihre Pflanzungen gehen und immer nur die reifen Kirschen pflücken. Das wirkt sich später merklich auf die Qualität des Kaffees aus. Nun wird aus den reifen Kaffeekirschen Rohkaffee. In der Nassverarbeitung werden die Bohnen vom Fruchtfleisch getrennt. Danach fermentieren sie. Die Bohnen werden erneut gewaschen und dürfen dann in der Sonne trocknen. Danach wird die Qualität der Bohnen geprüft und rissige oder gebrochene Bohnen werden von Hand aussortiert.

Röstung

Seit vielen Jahren arbeiten wir mit der Rösterei Niehoff, einem deutschen Familienbetrieb, zusammen. Hier werden unsere Kaffees durch eine schonende Langzeitröstung veredelt, wenn die Röstung nicht bereits im Herkunftsland erfolgt ist. Das Langzeitröstverfahren dauert durchschnittlich 12 bis 15 Minuten, während konventioneller Kaffee in maximal drei Minuten kurz und kräftig erhitzt wird.

Bei der Langzeitröstung bleibt die Zellstruktur der Bohnen erhalten und die Aromastoffe im Kaffee können sich voll entfalten. Rohkaffee kann gezielt heller oder dunkler geröstet werden, um einzelne Geschmacksnoten der Kaffees hervorzuheben. Am Röstort wird der Kaffee direkt frisch verpackt und etikettiert. Dabei ist die Rösterei sehr um eine nachhaltige Produktion bemüht. So nutzt Niehoff die Hitze, die bei der Röstung entsteht, auch zum „Vorwärmen“ der Bohnen. Damit wird Energie gespart und die Qualität des Kaffees nochmals erhöht. Unvermeidbare produktionsbedingte Emissionen gleicht Niehoff über Co2-Zertifikate aus und produziert damit am Standort in Gronau klimaneutral.

Ihr wollt mehr über die Rösterei Niehoff erfahren? Wir waren vor Ort und berichten Euch von unseren Eindrücken.

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