Kaffee und Quinoa: Eine Reise von Nicaragua nach Bolivien

Felix Gies

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Besuche vor Ort und der persönliche Austausch mit Handelspartnern und Produzenten waren bei El Puente schon immer ein wichtiges Kriterium für Fairen Handel. Als neuer Mitarbeiter im Einkauf bei El Puente war es deshalb eine spannende Erfahrung, gemeinsam mit meiner Kollegin Gesa Petersen im Mai 2018 Handelspartner  in Mittelamerika und Bolivien zu besuchen.

Viel Gesprächsstoff: Kaffeetreffen in Managua
In Managua, der Hauptstadt Nicaraguas, treffen wir vom Kaffeekooperativen und Importeure der „Mittelamerikanischen Kaffee Im- und Export GmbH“ (MITKA). Die MITKA vereint seit 1986 Fairhandels-Akteure, um im Zusammenschluss Kaffee zu importieren. Regelmäßig besuchen Mitglieder der MITKA die Partnerkooperativen in Ländern Mittelamerikas und alle drei Jahre wird wie jetzt eine Tagung organisiert, um sich auszutauschen und um grundsätzliche Positionen zu diskutieren. Für uns ist es eine gute Möglichkeit, Positionen abzustimmen und zugleich Vertreter vieler unserer mittelamerikanischen Kaffeepartner zu treffen. Bis wenige Tage vor Beginn der Tagung war aufgrund der politischen Situation in Nicaragua nicht klar, ob dieser überhaupt stattfinden kann. Die anhaltenden Proteste breiter Teile der Bevölkerung gegen die Regierung, insbesondere gegen den Präsidenten Daniel Ortega, erschwerten die Anreise vieler Teilnehmender erheblich. Letztlich fand die Tagung statt. An zwei Tagen setzten sich die Anwesenden in Workshops unter anderem mit dem Thema Kinderarbeit im Kaffeeanbau auseinander. An anderer Stelle wurden die Vor- und Nachteile verschiedener Preismodelle im Fairen Handel diskutiert.

Kaffeepreise im Fairen Handel

Die letzten Jahre hatte Bolivien geringere Ernten, dies führte zu einem Preisanstieg. Der derzeit an der New Yorker Börse ausgehandelte Kaffeepreis aber, ist extrem niedrig. Hier zeigt sich, dass der Börsenpreis keinen direkten Bezug zum realen Kaffeeanbau in den verschiedenen Ländern hat. Bolivienkaffee als Länderspezialität ist begehrt. Viele private Aufkäufer locken darum die Bauern mit kurzfristig hohen Preisen. Wenn es im nächsten Jahr jedoch zu einer besseren Ernte kommt, sinken die Preise wieder. El Puente ist dann mit dem Mindestpreis und diversen Aufschlägen und Prämien ein verlässlicher Partner. In dem direkten Gespräch mit den Partnern vor Ort, konnten wir eine gemeinsame Lösung finden. So fühlen sich die Bauern auch in Zeiten hoher Preise auch vom Fairen Handel angemessen bezahlt.

Uns wird in Managua zum einen klar, wie fruchtbar der direkte Austausch verschiedener Akteure des Fairen Handels sein kann. Zum anderen führte uns die politische Situation in Nicaragua eindrucksvoll vor Augen, unter welch schwierigen Bedingungen manche unserer Partner arbeiten, damit später ein Päckchen Kaffee im Ladenregal steht.

Kaffee, Quinoa und Kakao: Die landwirtschaftliche Vielfalt Boliviens

Von Nicaragua aus geht es für uns weiter in die südamerikanischen Anden Boliviens. Schon die Ankunft in La Paz ist ein Erlebnis. Der  Flughafen befindet sich auf 4.000 m, was bei den Reisenden zu schweren Beinen und Schwindelgefühlen führt. In La Paz selbst treffen wir Vertreterinnen und Vertreter der Quinoa-Kooperative ANAPQUI sowie der Kakao-Kooperative El Ceibo. Bei dem Besuch der Weiterverarbeitungsanlagen von El Ceibo erfahren wir, dass es der Organisation in den vergangenen Jahren gelungen ist, die Verkäufe auf dem heimischen Markt zu steigern. Inzwischen  machen sie rund 60 % des Umsatzes in Bolivien. Ein weiteres Beispiel für professionelles Arbeiten im Herkunftsland ist unser Partner Coronilla. Das Familienunternehmen aus der Stadt Cochabamba fördert gezielt Frauen und Minderheiten. Mit seinen Bio-Quinoa-Produkten ist Coronilla bereits in vielen Weltläden, aber auch in bolivianischen Geschäften präsent.

Neben den Quinoa- und Kakao-Partnern besuchen wir auch unsere bolivianischen Kaffeepartner, welche alle im hügeligen Hochland rund um die Stadt Caranavi tätig sind. Hier haben wir bei langen Tagestouren durch die Anbaugebiete die Gelegenheit, uns mit vielen Produzentinnen und Produzenten auszutauschen. Wir lernen dabei viel über die spezifischen Bedingungen vor Ort, über verschiedene Kaffeesorten und Anbaumöglichkeiten, über die professionelle Weiterverarbeitung der Kaffeebohnen. Und über Organisationen, die sich wegen Überalterung sorgen und über andere, bei der junge Bäuerinnen und Bauern mit frischem Elan bei der Sache sind. Alles in allem eine Reise, die uns einen kurzen Einblick in die tägliche Arbeit unserer Handelspartner ermöglicht. Und eine Reise aus der wir neue Bekanntschaften, neues Wissen und neue Motivation für die Arbeit in Deutschland mitnehmen.

Mehr Informationen über unsere Handelspartner in Bolivien.

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