Von Seidenraupen und Lackmalerei – Eine Reise durch Vietnam

Layla besuchte die Seidenproduzenten in Vietnam.
Layla Engeln

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Unsere Einkaufsreisen sind zentraler Bestandteil unserer Zusammenarbeit mit den Handelspartnern und Produzenten. Neue Ideen werden besprochen, Produkte ausgesucht und Informationen ausgetauscht. In diesem Jahr packe ich meinen Koffer für eine ganz besondere Reise nach Vietnam: Dies ist nicht meine erste Reise als Einkäuferin bei El Puente, dennoch ist diese Reise anders. Es ist die letzte Reise, die meine Kollegin Angela Lepa und ich gemeinsam durchführen, denn Angela geht nach mehr als 15 Jahren in der Einkaufsabteilung von El Puente in den Ruhestand. Diese Reise ist somit die letzte Gelegenheit, von ihrem reichen Wissensschatz zu profitieren, um ihre Erfahrungen in Zukunft in meine Arbeit einbeziehen zu können.

Zu Besuch im Craft Link-Büro in Hanoi

Am ersten Tag unserer Reise besuchen wir das Büro von Craft Link in Hanoi. Es liegt in bester Lage direkt neben dem Literaturpalast. In der Nachbarschaft befinden sich auch zwei der insgesamt drei Craft Link-Läden der Stadt. Hier begrüßen uns Craft Link-Geschäftsführerin Lan und die Export-Managerin Thuy. Nachdem wir uns im Laden umgesehen haben, essen wir gemeinsam mit der Belegschaft zu Mittag. Wir erfahren, dass Craft Link sogar einen eigenen Koch beschäftigt. Im Bürogebäude sitzen die Geschäftsführung, Vertriebsmitarbeiter, die Buchhaltung, Produktentwickler und Designer. Daneben sind weitere Personen festangestellt, wie der Koch und die Reinigungskraft. Insgesamt arbeiten hier 32 Personen.

Gewebte Tischsets aus Bambus

Am Nachmittag besuchen wir Mr. Le in der Produktionsstätte für Bambus-Tischsets: In einem Raum stehen vier Webstühle, an denen die Sets aus Bambus und Baumwollfäden gewebt werden. Während unseres Besuchs arbeiten zwei Frauen an Webstühlen und zwei Männer packen die aktuelle Bestellung von El Puente. Die Tischsets werden als Meterware gewebt und im Anschluss auf die gewünschten Maße zugeschnitten und vernäht oder verklebt. Mr. Le erklärt uns den Produktionsprozess: Die Bambusrohre werden getrocknet und die Rinde entfernt. Aus dieser Rinde entstehen die Tischsets. Zunächst wird die Rinde mit den Händen in dünnere Stäbe zerteilt und dann auf die passende Länge zugeschnitten. Danach werden die feinen Bambus-Stäbe gefärbt und verarbeitet.

Nach diesem Produzentenbesuch besuchen wir den dritten Craft Link-Laden in Hanoi und wählen Produkte aus. Der Laden ist Teil des Anthropologischen Museums und da es bereits später Nachmittag ist, nutzen wir den Feierabend und besuchen das Außengelände des Museums, bevor wir in unsere Unterkunft fahren.

Gewebte Schals aus Thai Binh

Am nächsten Morgen holt uns Thuy vom Hotel ab und wir begeben uns gemeinsam auf eine zweistündige Fahrt in die nördlich von Hanoi gelegene Provinz Thai Binh, was übersetzt „Sonnenaufgang“ bedeutet. Hier werden Schals für Craft Link gefertigt. Der Leiter der Werkstatt, Mr. Tha, begleitet uns zu den verschiedenen Produktionsstandorten. Wir erfahren, dass der Produktionsstandort zeitnah umgesiedelt werden soll. Die alte Wasseraufbereitungsanlage im Dorf erfüllt die Ansprüche nicht mehr, weshalb die Regierung eine Umsiedlung der Produktion an einen neuen Standort eingeleitet hat. Mit der neuen Anlage finden alle Prozesse des Färbens und der Abwasser-Klärung unter kontrollierten Bedingungen statt und erfüllen die erhöhten Anforderungen. Mr. Tha begrüßt diese Veränderung: „Viele Menschen bauen hier ihren Reis und andere Lebensmittel an. Es ist gut, wenn wir unsere Arbeit machen können, ohne dass das Essen davon schlecht wird.“ Noch befinden sich fast keine Gebäude auf der Fläche, die für die Umsiedlung vorgesehen ist. Die Produzenten müssen die Räumlichkeiten selbst errichten. In Zukunft soll der komplette Produktionsprozess aus Mr. Tha’s Werkstatt hier stattfinden: das Färben, Waschen, Weben und Verpacken. Allerdings wird nur ein kleiner Teil der Stoffe in der zentralen Werkstatt gewebt, die überwiegende Menge entsteht in Heimarbeit. Insgesamt arbeiten die Produzenten an 200 Webstühlen. Im Anschluss besuchen wir den Ort, an dem das Färben und Bedrucken der Schals aktuell stattfindet. Nachdem die Schals gewebt sind, werden sie zur Reinigung mit kochendem Wasser gewaschen und dann auf langen Wäscheleinen luftgetrocknet. Im nächsten Schritt werden sie gefärbt und anschließend erneut gewaschen, getrocknet und gebügelt. Viele der gefärbten Schals bedrucken die Produzenten kunstvoll mit Siebdruck-Technik. Dafür wird der Schal auf einen Tisch gelegt und mit Schablonen das gewünschte Muster aufgedruckt. Soll der Druck mehrfarbig sein, wird dieser Arbeitsschritt mehrfach wiederholt. Nach der Qualitätskontrolle werden im letzten Schritt die Waschetiketten angenäht und die Schals für den Versand verpackt.

Seidenproduktion in Hong Xuan

Von Craft Link kaufen wir viele Seidenschals, deswegen bin ich besonders gespannt, wie die Seide gewonnen wird. Zwei Familien züchten die Raupen und produzieren die Seide. Die für die Zucht benötigten Raupeneier kaufen sie von einer weiteren Familie, die die Schmetterlinge schlüpfen lässt und die Eier dann vermarktet. Im Dorf Hong Xuan ist die Seidenraupen-Aufzuchtstation: Die Raupen ernähren sich von Maulbeerblättern, die am Wegesrand des Dorfes gepflanzt sind. Hier kümmern sich vorwiegend die Männer um ihre Aufzucht. Die Frauen spinnen den Seidenfaden. Am späten Nachmittag verabschieden wir uns von den Produzentenfamilien und fahren zurück nach Hanoi.

Lackarbeiten aus Duyen Thai

Der nächste Tagesausflug führt uns in das Dorf Duyen Thai, das für seine Lackarbeiten bekannt ist. Von hier stammen die vielfältig verzierten Kokosnussschalen. Der Leiter der Produzentengruppe Nguyen Than Pinh    begrüßt uns und erklärt die einzelnen Produktionsschritte: Die Kokosnüsse stammen aus dem Süden des Landes, denn die Kokosnussschalen von dort sind besonders hart. Halbiert aber unbearbeitet werden sie angeliefert. Die Produzenten schleifen zunächst sorgfältig die raue Schale ab. Im nächsten Schritt tragen sie auf die Innenseite eine Grundierung aus Lehm und Shellack auf. Diese trocknet und wird dann geschliffen. Dieser Prozess muss durchschnittlich fünfmal wiederholt werden, bis die gewünschte Schichtdicke erreicht ist. Im Anschluss wird die Schale erneut mit Sandpapier bearbeitet und getrocknet. Nun folgt die Verzierung. Uns wird gezeigt, wie die Schalen ihren Glanz erhalten: Dafür kleiden die Produzenten manche Schalen mit Silberfolie aus. Anschließend müssen sie wieder trocknen, bevor die gewünschte Grundfarbe in einem extra Raum mit Belüftungsanlage aufgetragen und abschließend mit durchsichtigem Lack versiegelt wird. Der Prozess mit mehrfarbigen Schalen ist etwas komplizierter, hier bemalen die Künstler die Schalen von Hand oder tragen mehrere Farbschichten auf. Vom ersten bis zum letzten Produktionsschritt sind etwa 15 Schichten notwendig und nach jedem Schritt muss die Schale einen Tag lang trocknen. Daraus ergibt sich eine Produktionszeit von etwa 40 Tagen für jede Kokosnussschale. Zurück in Hanoi führen wir mit Craft Link-Geschäftsführerin Lan ein Abschiedsgespräch. Am nächsten Tag verlassen wir Vietnam. Unsere Reise führt uns weiter nach Thailand und Indien. Drei Wochen sind wir insgesamt unterwegs. Eine lange Reise, mit vielen eindrucksvollen Erlebnissen.

 

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