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Weltfrauentag 2020 – Gutes Leben und Geschlechtergerechtigkeit

Nina Labode

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Geschlechtergerechtigkeit ist für uns untrennbar mit einem guten Leben für alle Menschen verbunden! Am 8. März ist Weltfrauentag. Für uns ist dieser Tag ein Anlass darauf hinzuweisen, dass Geschlechtergerechtigkeit noch nicht selbstverständlich ist. Weniger Verdienst, weniger Einfluss, weniger Zugang zu Bildung oder Krediten. Weltweit werden Frauen in vielen Bereichen des Lebens benachteiligt. Denn obwohl Frauen durch ihre Arbeit weltweit nachhaltige Entwicklung gestalten, ist es noch ein weiter Weg bis Geschlechtergerechtigkeit überall fest verankert ist. Der Faire Handel kann Abhilfe schaffen. Zahlreiche Maßnahmen verändern das Leben von Frauen nachweislich zum Positiven: Die Einführung von Sozialleistungen, Fortbildungsmöglichkeiten, ein höheres Einkommen und vermehrt Frauen in Führungspositionen.

 Weltfrauentag im Weltladen

Gerne möchten wir Euch unterstützen, den Internationalen Frauentag auch im Weltladen sichtbar zu machen. Gestaltet einen Aktionstisch, plant eine Veranstaltung, unterstützt politische Forderungen oder verteilt Kekse an alle Frauen, die Euren Weltladen besuchen. Dazu haben wir allgemeine Informationen zum Thema Geschlechtergerechtigkeit und Fairer Handel, aber auch Beispiele von unseren Handelspartnern zusammengestellt. Denn es gibt viele Organisationen, die sich besonders für die Stärkung der Frauenrechte einsetzen. Solltet Ihr noch mehr Informationen benötigen oder Fragen haben, wendet Euch jederzeit gerne an uns! Wir wünschen einen erfolgreichen Weltfrauentag 2020!

Euer El Puente Team
Kontakt: info@el-puente.de

Hintergrund: Geschlechtergerechtigkeit im Fairen Handel

Frauenförderung und gerechtere Löhne für alle
El Puente spricht sich gegen Diskriminierung und für Geschlechtergerechtigkeit aus. Denn weltweit kämpfen Frauen gegen Formen struktureller Benachteiligung. Diese Position spiegelt sich in der Arbeit der El Puente GmbH wider: In der Zusammenarbeit mit den Handelspartnern wird auf bestehende Geschlechtergerechtigkeit geachtet. Bildungschancen für nachfolgende Generationen werden gefördert. Insbesondere in ruralen Gegenden in Ländern des Globalen Südens fehlt Frauen der Zugang zu wichtigen Ressourcen wie Bildung oder Land. Dies belegen u. a. Berichte der Organisation für Ernährung und Landwirtschaft der Vereinten Nationen (FAO). Würden Frauen allerdings über ein eigenes Einkommen verfügen, so die FAO, würden sie vermehrt in Gesundheit, Ernährung und Bildung für die Familie investieren. Daher setzt sich El Puente sowohl im eigenen Unternehmen als auch in Handelsbeziehungen weltweit für Geschlechtergerechtigkeit ein.

Geschlechtergerechtigkeit im Fairen Handel

Der Faire Handel verfolgt das Ziel, struktureller Benachteiligung von Menschen entgegenzuwirken. Gleichzeitig setzt sich der Faire Handel auch für die Förderung von Geschlechtergerechtigkeit ein. Dies ist im Standard der World Fair Trade Organization (WFTO) festgeschrieben. Als Mitglied der WFTO richtet die El Puente GmbH ihre Arbeit streng nach diesem Standard aus. Deren Einhaltung wird in einem regelmäßigen Monitoring im Rahmen des Guarantee-Systems der WFTO (Grundsatz Nr. 6) überprüft. Im Fairen Handel gilt, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, Religion, politischen Gesinnung, Behinderung oder Krankheit benachteiligt werden darf.

Geschlechtergerechtigkeit in der Zukunftsperspektive

Als Fairhandels-Organisation gehört es zur Mission der El Puente GmbH, die Interessen von strukturell benachteiligten Gruppen zu vertreten. Dazu gehören auch die Interessen von Frauen. Denn diese werden im derzeitigen Welthandelssystem nachrangig berücksichtigt. El Puente verfolgt das Ziel, alle sozialen Gruppen in den Handel zu integrieren – zu fairen Bedingungen. Daneben sieht El Puente auch bei eigenen Publikationen die Aufgabe, unterrepräsentierte Gruppen sichtbar zu machen.

KOPAKAMA: Frauen in der Landwirtschaft (Produkte mit der Artikelnummer rw1)

El Puente arbeitet mit der Kaffee-Kooperative KOPAKAMA in Ruanda zusammen. Etwa ein Drittel der Kooperativenmitglieder sind Frauen – viele sind Witwen und Hinterbliebene des Genozids. Die Idee der gemeinsamen Arbeit in der Kooperative ist, Frauen aus verfeindeten Lagern zusammen zu bringen. Die gemeinsame Kaffee-Verarbeitung in der Gruppe „Ejoheza“ soll Freundschaften und Frieden schaffen. Vor dem Erlass des neuen Erbschaftsrechts im Jahr 2000, durften Frauen in Ruanda keinen eigenen Kaffeegarten besitzen. Heute haben viele Frauen ein eigenes, kleines Stück Land mit Kaffeepflanzen. Sie bewirtschaften es und verkaufen den Ertrag. Für die Frauen bedeutet dies, zum ersten Mal ein eigenes Einkommen zu haben, über das sie frei verfügen können. Mit dem Erlös aus dem Kaffee-Verkauf können sie Schulgebühren für ihre Kinder bezahlen und Medikamente oder Haushaltswaren kaufen.

Marte Uwiherewenimana, KOPAKAMA

Als Vorstandsvorsitzende der Kooperative, setzt sich Marte Uwiherewenimana für die Förderung von Frauen ein. „Die Förderung von Frauen ist sehr wichtig, um ihnen die gleichen Chancen wie Männern zu geben“, erklärt die 58-Jährige.

 

„Auf den Kaffeeplantagen in Ruanda hatten die Männder die Entscheidungsgewalt. Nach dem Genozid, nachdem viele Frauen verwitwet oder alleine waren, weil ihre Männer inhaftiert wurden, wurden viele Plantagen aufgegeben. Die Situation ermutigte die Frauen, selbst die Initiative zu ergreifen und sich den neuen Möglichkeiten bewusst zu werden“, erklärt Marthe. Sie selbst ist seit 2010 Mitglied bei KOPAKAMA und seit 2017 Vorstandsvorsitzende. Dabei ist es ihr besonders wichtig als Vertreterin der Kooperative und zugunsten der Mitglieder*innen zu agieren.

Dhaka Handicrafts aus Bangladesch (Produkte mit der Artikelnummer bd5)

Dhaka Handicrafts ist eine Fairhandels-Organisation in Bangladesch. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, Frauen zu stärken und zu ermutigen, Leitungspositionen in Kunsthandwerkergruppen zu übernehmen. In ihrem Alltag sind viele Frauen, die für Dhaka Handicrafts arbeiten, von geschlechtsbezogener Diskriminierung betroffen. Dazu zählen Fälle von häuslicher Gewalt oder auch sexuelle Belästigung in öffentlichen Verkehrsmitteln. Auf Wunsch der Organisation unterstützte der El Puente Entwicklungsfonds ein Multiplikator*innen-Training. Das Training diente der Erarbeitung von Strategien, geschlechtsbezogener Gewalt im Alltag zu begegnen: Sei es durch konkrete Maßnahmen bei Übergriffen oder durch politische Lobbyarbeit. Auch der Wissensaustausch über soziale Rollenbilder gehörte zum Training. Die Frauen sollten in ihrer Verteidigung gestärkt werden.

Mrs. Saburjan Dhaka Handicrafts

Viele Frauen dürfen nicht über ihr verdientes Geld zu Hause bestimmen. In den Werkstätten von Dhaka Handicrafts reden nun geschulte Multiplikator*innen mit den Frauen und ziehen auch die Ehemänner hinzu. So auch Mrs. Saburjan. Sie ist Secretary einer Produktionsstätte von Dhaka Handicrafts.

Sie kümmert sich um die Beschaffung des Arbeitsmaterials, aber auch um die Belange der Frauen. Die Frauen können jederzeit mit Problemen zu ihr kommen. Ihre herzliche, empathische aber bestimmte Art zeigt, dass die Frauen ihr vertrauen und Männer sie respektieren. Die Frauen teilen ihre finanziellen oder familiären Probleme mit ihr. „Ich lasse es nicht zu, dass ihre Probleme größer werden. Es kommt oft zu Unstimmigkeiten, weil die Frauen selbst Geld verdienen und auch darüber bestimmen wollen. Dann rede ich mit ihnen und auch mit ihren Männern. Die Männer verstehen dann, warum sie davor keine Angst haben müssen.“, erklärt sie. Sie selbst hat zwei erwachsene Söhne, auf die sie sehr stolz ist. Einer arbeitet bei Dhaka Handicrafts, wo er nach dem Tod seines Vaters anfing. Zusammen verdienten sie das Geld für die Schulausbildung des zweiten Sohnes. Dieser hat es geschafft die Uni mit einem Masterabschluss zu beenden und arbeitet heute für die Regierung. Er besucht seine Mutter jede Woche.

Ecco Exe aus Peru (Produkte mit der Artikelnummer Pe2)

Ecco Exe bildet Frauen im textilen Handwerk aus. In den Barriadas, den Vorstadtsiedlungen von Lima, leben mehr als zwei Millionen Menschen unter extremen Bedingungen. Das Unternehmen arbeitet zum einen mit Frauen, die Hausfrauen oder alleinerziehend sind und jüngere Kinder haben und deswegen nur zu Hause einer Tätigkeit nachgehen können, zum anderen mit Frauen, die schon älter sind und deswegen Schwierigkeiten haben, eine Stelle zu finden. Die Strickwaren werden also in Heimarbeit hergestellt. Zu einem besonders beliebten Artikel im Fairen Handel haben sich dabei kleine, bunte Fingerpuppen entwickelt.

Augusta Sanchez de Tomas, Ecco Exe

Eine der Stricker*innen, Augusta Sanchez de Tomas, berichtet uns, das sie seit 20 Jahren für Ecco Exe arbeitet. Mit 37 hat sie angefangen. Sie ist Armadora, das heißt, sie stattet Strickschläuche mit ihren individuellen Merkmalen aus, damit sie zu einem Löwen, einer Schildkröte oder einem Ferkel werden.

 

Sie hat vier Kinder, die noch klein waren, als sie bei Ecco Exe angefangen hat. Damals hat sie immer gestrickt, während die Kinder Hausaufgaben gemacht haben. Heute findet sie nachmittags und abends Zeit, um ein paar Stunden zu stricken. „Ich mag es sehr. Mir gefallen die immer neuen Designs. Wenn ich stricke, dann konzentriere ich mich ganz auf meine Arbeit. Mein Leben ist ruhiger geworden.“ Ihr Mann bekommt nur eine kleine Pension. Deshalb hilft die Arbeit bei Ecco Exe Augusta und ihrer Familie, Wasser, Strom und Gas zu bezahlen. An den Fortbildungen bei Ecco Exe nimmt sie auch Teil. „Besonders gefällt mir, mich hier im Büro mit meinen Freundinnen zu treffen“, erklärt sie uns. Denn das Büro von Ecco Exe ist Begegnungsort, Lagerraum und der Ort an dem neue Muster entwickelt werden.

Lest unser Positionspapier zu Geschlechtergerechtigkeit.

Erfahrt noch mehr über andere Handelspartner und schaut dafür in unsere Faire Woche-Broschüre zum Thema Geschlechtergerechtigkeit.

Informiert Euch in der Broschüren von der WFTO, in deutscher Übersetzung veröffentlicht vom Forum Fairer Handel: Geschäftsmodelle die Frauen stärken

 

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